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Anycubic Photon P1 Max, SUNLU S4 Pro und bessere Filterlösungen

Neue 3D-Druck-News: Großer Resin-Druck, trockenes Filament und saubere Luft im Druckraum

Diese News-Runde ist besonders praxisnah. Es geht nicht nur um neue Drucker, sondern um Dinge, die im Alltag wirklich relevant werden: größere Resin-Drucke, kontrollierte Filamenttrocknung, bessere Luftführung und spezialisierte Modellplattformen.

Resin

Anycubic bereitet mit dem Photon P1 Max einen großen Resin-Drucker mit 18,3 Liter Bauraum vor.

Filament

SUNLU bringt mit dem FilaDryer S4 Pro einen Vier-Spulen-Trockner mit zwei getrennten Zonen.

Luftqualität

Eine NIOSH-nahe Studie zeigt, wie wichtig kontrollierte Luftführung beim ABS-Druck ist.

Plattformen

MarineLab3D zeigt, wie spezialisierte Modellplattformen echte Nischenprobleme adressieren.

Anycubic Photon P1 Max: großer Resin-Druck für Modelle und Batchproduktion

Anycubic bereitet den Photon P1 Max vor. Der Early-Bird-Start ist für den 22. Juli 2026 angekündigt. Besonders auffällig ist der große Bauraum: 285,5 × 214 × 300 mm. Das entspricht laut Anycubic 18,3 Liter Build Volume.

Anycubic Photon P1 Max Resin-3D-Drucker
Bild: Anycubic Photon P1 Max. Quelle: Anycubic UK Launch-Seite.

Dazu kommen ein 14-Zoll-12K-Display, eine XY-Pixelgröße von 24,8 × 24,8 µm, Auto-Leveling 3.0, C7-Kugelgewindetriebe, App- und Kamera-Monitoring sowie eine große Resinwanne mit 1,9 Liter Kapazität.

Damit zielt Anycubic klar auf Nutzer, die mehr als nur einzelne Miniaturen oder kleine technische Teile drucken wollen.

Warum großer Resin-Bauraum spannend ist

Im FDM-Bereich reden viele über große Druckräume, schnelle CoreXY-Systeme und Multicolor. Im Resin-Bereich ist ein großer Bauraum aber mindestens genauso interessant.

Gerade für Tabletop, Figuren, Dioramen, Modellbau, Requisiten, Dental- oder Labor-nahe Anwendungen und Kleinserien kann ein großer Resin-Drucker einen echten Vorteil bringen.

Ein großer Bauraum bedeutet nicht nur, dass ein einzelnes großes Modell möglich wird. Er bedeutet auch, dass mehrere kleine Teile gleichzeitig auf die Plattform passen.

Warum das bei MSLA wichtig ist: Die Druckzeit hängt weniger von der Anzahl der Teile auf der Plattform ab, sondern stärker von der Höhe des Drucks. Wer viele kleine Teile gleichzeitig druckt, kann dadurch effizienter arbeiten.

Größer heißt aber nicht automatisch einfacher

Der Photon P1 Max klingt beeindruckend, aber großer Resin-Druck bringt auch neue Herausforderungen.

  • mehr Resin in der Wanne
  • höhere Kosten bei Fehldrucken
  • schwerere Druckplattform
  • mehr Reinigungsaufwand
  • größere Mengen verschmutzter IPA- oder Reinigungsflüssigkeit
  • größere Nachhärteanforderungen
  • mehr Geruch und potenziell mehr Emissionen
  • mehr Platzbedarf im Arbeitsbereich

Gerade Einsteiger unterschätzen oft, dass Resin-Druck nicht mit dem fertigen Druck endet. Waschen, Aushärten, Handschuhe, Belüftung, Entsorgung und Reinigung gehören fest zum Prozess.

Ein großer Resin-Drucker wie der P1 Max ist deshalb nicht einfach „mehr Drucker“, sondern auch „mehr Workflow“.

Einordnung

Der Photon P1 Max passt gut in die aktuelle Entwicklung: Hersteller versuchen, Resin-Druck komfortabler, größer und automatisierter zu machen.

Auto-Leveling, Kamera-Monitoring und App-Funktionen können den Alltag erleichtern. Trotzdem bleibt Resin-Druck ein Verfahren, bei dem Sicherheit, sauberer Arbeitsplatz und Nachbearbeitung entscheidend sind.

Für Nutzer, die regelmäßig große Figuren, viele Miniaturen oder Batchdrucke machen, könnte der P1 Max sehr spannend werden. Wer nur gelegentlich ein kleines Modell druckt, sollte dagegen genau überlegen, ob ein großer Resin-Drucker wirklich sinnvoll ist.

SUNLU FilaDryer S4 Pro: Vier Spulen, zwei Zonen und bis zu 85 °C

SUNLU hat den FilaDryer S4 Pro gelistet. Der neue Trockner bietet Platz für bis zu vier 1-kg-Spulen und setzt auf zwei unabhängig steuerbare Zonen.

SUNLU FilaDryer S4 Pro Filamenttrockner
Bild: SUNLU FilaDryer S4 Pro. Quelle: SUNLU Official Store.

Das ist der entscheidende Punkt. Viele Filamenttrockner haben einen einzigen Innenraum. Das funktioniert, solange man nur ein Material trocknet. In der Praxis sieht der Alltag aber oft anders aus: PLA, PETG, TPU, PA, PC oder Supportmaterialien haben unterschiedliche Anforderungen.

Mit zwei Zonen kann man zum Beispiel PLA oder PETG in einer Kammer trocknen und ein technisches Material wie PA oder PC in der anderen. SUNLU nennt eine maximale Temperatur von 85 °C, unabhängige Temperatur- und Zeitsteuerung sowie einen kombinierten Trocknungs- und Annealing-Ansatz.

Warum Filamenttrocknung wichtiger wird

Vor einigen Jahren wurde Filamenttrocknung im Hobbybereich oft belächelt. Heute sieht das anders aus.

Viele Nutzer drucken nicht mehr nur PLA. PETG, TPU, ASA, PA, PC, CF-gefüllte Materialien und wasserlösliche Supportmaterialien sind deutlich verbreiteter geworden.

Feuchtes Filament kann viele Probleme verursachen:

  • Stringing
  • Blasenbildung
  • raue Oberflächen
  • schwächere Layerhaftung
  • Knacken beim Drucken
  • ungleichmäßige Extrusion
  • schlechtere Maßhaltigkeit
  • spröde oder instabile Druckteile

Gerade bei technischen Materialien ist trockene Lagerung keine Luxusfrage, sondern Teil des Druckprozesses.

Warum zwei Zonen sinnvoll sind

Ein Vier-Spulen-Trockner klingt zunächst nach Print-Farm-Zubehör. Die Zwei-Zonen-Steuerung macht ihn aber auch für ambitionierte Maker interessant.

Denn in vielen Setups liegen unterschiedliche Materialien parallel bereit:

  • PLA für Deko und Prototypen
  • PETG für funktionale Teile
  • TPU für flexible Anwendungen
  • PA oder PC für technische Bauteile
  • PVA oder BVOH als Supportmaterial

Diese Materialien alle gleich zu behandeln, ist selten ideal.

Zwei Zonen erlauben flexiblere Workflows. Man kann eine Zone moderat fahren und die andere deutlich höher. Das spart Zeit und reduziert das Risiko, empfindlichere Filamente unnötig zu stark zu erwärmen.

Einordnung: Drucker werden schneller, Materialien anspruchsvoller und Nutzer erwarten reproduzierbare Ergebnisse. Wenn das Filament feucht ist, hilft aber auch der beste Drucker wenig.

NIOSH-Studie: Gute Luftführung schlägt Alibi-Gehäuse

Ein besonders wichtiges Thema kommt aus der Arbeitssicherheit. Eine aktuelle NIOSH-nahe Studie untersuchte, wie gut günstige technische Maßnahmen Partikelemissionen beim FFF-Druck reduzieren können. Gedruckt wurde mit ABS, also einem Material, das bei Emissionen deutlich relevanter ist als PLA.

NIOSH-nahe Studie zu Low-Cost Engineering Controls bei 3D-Druckern
Bild: Testaufbau aus der Studie zu Low-Cost Engineering Controls für 3D-Drucker. Quelle: PMC / NIOSH-nahe Veröffentlichung.

Die zentrale Erkenntnis: Günstige technische Maßnahmen können sehr wirksam sein, aber nur, wenn die Luftführung stimmt.

In der Studie wurden verschiedene Kontrollmaßnahmen getestet, darunter Eigenbau-Lösungen mit 3D-gedruckten Teilen, Lüfter, HEPA-Filter, Abführung nach außen sowie einfache Einhausungen. Die getesteten technischen Maßnahmen erreichten je nach Aufbau sehr hohe Mindest-Wirkungsgrade. Besonders wirksam war die Abführung nach außen. Auch Low-Cost-Lösungen mit lokaler Erfassung und HEPA-Filterung konnten deutlich reduzieren.

Warum das für Maker wichtig ist

Viele Nutzer kaufen oder bauen Gehäuse, weil sie glauben: Drucker in Box = sicherer. So einfach ist es nicht.

Ein Gehäuse kann helfen, wenn es Emissionen wirklich zurückhält, die Luft gezielt führt und Filter oder Abluft sinnvoll eingebunden sind. Ein schlechtes Gehäuse kann dagegen deutlich weniger bringen als erwartet.

Entscheidend sind:

  • möglichst geschlossener Bauraum
  • kontrollierter Luftstrom
  • keine großen Leckagen
  • Filter, die zur Emission passen
  • ausreichender Luftdurchsatz
  • keine Lüfter, die Partikel am Filter vorbei drücken
  • sichere Ableitung oder Filtration
  • regelmäßiger Filterwechsel

Ein Gehäuse ist also nicht automatisch eine Schutzmaßnahme. Es ist nur dann sinnvoll, wenn es richtig in ein Luftführungskonzept eingebunden ist.

Panda Sense Pro und Filterstudien ergänzen sich

Das passt sehr gut zu den letzten Themen rund um Luftqualität im 3D-Druckraum.

Ein Monitor wie der Panda Sense Pro kann Werte sichtbar machen. Eine Studie zu Filter- und Abluftlösungen zeigt, welche Maßnahmen tatsächlich wirksam sein können. Beides gehört zusammen.

Wer nur misst, aber nichts ändert, verbessert die Luft nicht. Wer filtert, aber nie misst, weiß nicht, ob die Maßnahme überhaupt wirkt.

Praktische Aussage: Nicht irgendeine Box schützt, sondern kontrollierte Luftführung, gute Erfassung und geeignete Filterung.

Die Studie bezieht sich auf Partikelemissionen beim ABS-Druck und einen konkreten Testaufbau. VOCs, Resin-Druck, Raumgröße, reale Nutzerumgebungen und unterschiedliche Materialien sind nochmal eigene Themen. Trotzdem ist die Richtung für Werkstätten, Schulen, Makerspaces und Heimstudios klar.

MarineLab3D: Spezialisierte Modellplattform für Bootsteile

Mit MarineLab3D gibt es eine spezialisierte Plattform für 3D-druckbare nautische Lösungen. Die Seite richtet sich an Bootseigner, Maker und Designer, die druckbare Teile für den maritimen Bereich suchen oder anbieten wollen.

MarineLab3D Marktplatz für 3D-druckbare Bootsteile
Bild: MarineLab3D. Quelle: VoxelMatters.

Das Angebot umfasst unter anderem Halterungen, Verbinder, Fittings, Griffe, Abdeckungen, Clips und Zubehör für Boot, Werkstatt und Ausstattung.

Der spannende Punkt ist nicht, dass es noch eine Modellplattform gibt. Spannend ist die Spezialisierung.

Weg von „alles für alle“

Viele große Modellplattformen wollen möglichst breit sein. Dort findet man Spielzeug, Ersatzteile, Deko, Werkzeuge, Figuren, Haushaltsartikel und technisches Zubehör nebeneinander.

MarineLab3D geht in eine andere Richtung: eine konkrete Zielgruppe, ein klarer Anwendungsbereich, ein spezialisierter Kontext.

  • bessere Suchergebnisse
  • klarere Materialhinweise
  • gezieltere Kategorien
  • mehr Vertrauen in die Anwendung
  • spezifischere Modelle
  • weniger Plattformrauschen
  • höhere Relevanz für die Zielgruppe

Gerade im Bootsbereich gibt es viele kleine Teile, die schwer zu beschaffen, teuer oder individuell angepasst sind. Halterungen, Abdeckungen, Clips, Adapter oder einfache Fittings sind typische Kandidaten für 3D-Druck.

Aber nicht jedes Bootsteil ist harmlos

Hier ist die kritische Einordnung besonders wichtig. Auf einem Boot wirken UV-Strahlung, Feuchtigkeit, Temperaturwechsel, Salzwasser, mechanische Belastung und Vibration. Ein gedruckter Handyhalter ist etwas anderes als ein strukturell belastetes Teil oder ein sicherheitsrelevantes Bauteil.

Bei maritimen Anwendungen muss man besonders auf Materialwahl und Einsatzort achten.

PLA ist für viele Außen- und Bootsanwendungen keine gute Wahl. PETG, ASA, Nylon oder faserverstärkte Materialien können je nach Anwendung sinnvoller sein, müssen aber ebenfalls passend eingesetzt werden.

Einordnung: Spezialisierte Plattformen sollten nicht nur Dateien verkaufen, sondern auch klare Hinweise zu Material, Druckrichtung, Belastung und Grenzen geben.

MarineLab3D ist klein, aber konzeptionell interessant. Nach MakerWorld, PrintHaus und anderen Plattformen zeigt sich: Der Markt für 3D-Modelle wird nicht nur größer, sondern auch differenzierter. Neben großen Allround-Plattformen entstehen Nischenangebote für konkrete Anwendungsbereiche.

Marktblick: Entry-Level-Drucker treiben das Wachstum

CONTEXT meldet für Q1 2026 ein deutliches Wachstum im 3D-Drucker-Hardwaremarkt. Besonders stark war demnach das Entry-Level-Segment. Die Systemumsätze insgesamt stiegen um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während günstige Einsteigergeräte besonders stark zulegten.

CONTEXT Marktdaten 3D-Drucker Q1 2026
Bild: CONTEXT Marktmeldung zum 3D-Drucker-Hardwaremarkt. Quelle: CONTEXT.

Das passt zu dem, was man in der Praxis sieht: Consumer- und Prosumer-Drucker sind leistungsfähiger geworden, gleichzeitig aber preislich aggressiv geblieben. Multicolor, Automatisierung, Kameraüberwachung und schnelle CoreXY-Systeme rutschen in Preisbereiche, die vor wenigen Jahren noch deutlich schwächer ausgestattet waren.

Aber Wachstum ist nicht gleich Erfolg für alle

Wichtig ist die Differenzierung.

Der Markt kann wachsen, während einzelne Unternehmen schließen, sich neu ausrichten oder wirtschaftlich unter Druck geraten. Genau das haben die letzten Wochen mit Meldungen zu BigRep, Würth Additive oder anderen AM-Akteuren gezeigt.

Der 3D-Druckmarkt ist also nicht einfach „gut“ oder „schlecht“. Er verschiebt sich.

Günstige Desktopgeräte verkaufen sich stark. Industrielle Systeme wachsen selektiv. Mittelklassesegmente stehen teils unter Druck. Und Geschäftsmodelle rund um Services, Ersatzteile oder Plattformen müssen beweisen, dass sie dauerhaft funktionieren.

Industrieausblick: Phase3D und NASA wollen Qualität während des Drucks nachweisen

Zum Schluss noch ein kurzer Blick in die industrielle Metall-AM.

Phase3D beschreibt ein Programm mit dem NASA Marshall Space Flight Center, bei dem es um einen „Born Qualified“-Ansatz geht. Die Idee: Metallteile sollen nicht erst nach dem Druck über CT-Scans und zerstörende Prüfungen bewertet werden. Stattdessen soll Qualität bereits während des Druckprozesses kontinuierlich gemessen und dokumentiert werden.

Phase3D und NASA In-situ-Inspektion für Metall-AM
Bild: Phase3D / NASA Born-Qualified-Ansatz für Metall-AM. Quelle: Phase3D.

Phase3D nutzt dafür ein In-situ-Inspektionssystem mit layerweiser Messung. Im Projekt sollen mehr als 50.000 Schichten erfasst und mit CT-Daten abgeglichen werden.

Für Maker ist das weit weg. Für industrielle AM ist es zentral.

Wenn 3D-gedruckte Metallteile in Raumfahrt, Defense, Energie oder Medizintechnik eingesetzt werden sollen, reicht ein fertiges Bauteil nicht aus. Man muss nachweisen können, wie es entstanden ist.

Warum das wichtig ist: Qualifizierung ist einer der größten Flaschenhälse der industriellen additiven Fertigung. Genau deshalb sind In-situ-Monitoring und digitale Prozessdaten so wichtig.

Fazit

Diese News-Runde zeigt sehr gut, dass der 3D-Druck an vielen Stellen praktischer und professioneller wird.

Der Anycubic Photon P1 Max zeigt, dass Resin-Druck weiter in Richtung großer Bauraum, Batchproduktion und komfortablere Bedienung geht.

Der SUNLU FilaDryer S4 Pro zeigt, dass Filamentmanagement immer wichtiger wird, besonders bei technischen Materialien und mehreren Spulen.

Die NIOSH-Studie zeigt, dass gute Luftführung und passende Filterlösungen deutlich wichtiger sind als irgendein einfaches Gehäuse.

MarineLab3D zeigt, dass Modellplattformen spezialisierter werden und echte Nischenprobleme adressieren können.

Und der Blick auf CONTEXT sowie Phase3D/NASA zeigt: Der Markt wächst, aber echte Professionalität entsteht erst durch stabile Prozesse, Qualitätssicherung und nachvollziehbare Workflows.

Die zentrale Erkenntnis: 3D-Druck wird nicht nur schneller und bunter, sondern zunehmend prozessabhängiger. Wer gute Ergebnisse will, braucht nicht nur einen guten Drucker. Er braucht trockenes Material, saubere Luftführung, passende Modelle, stabile Workflows und ein realistisches Verständnis für die Grenzen des jeweiligen Verfahrens.

Quellen und weiterführende Links