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Bambu PLA Pure, X2D-Firmware und Sinterit BIANCO2

3D-Druck-News

Bambu PLA Pure, X2D-Firmware und kompakter SLS-Druck von Sinterit

Nicht jede wichtige Entwicklung im 3D-Druck ist gleich ein neuer Drucker. Manchmal sind es Materialien, Firmware-Updates oder Forschungsprojekte, die zeigen, wohin sich der Markt bewegt.

Die wichtigsten Meldungen im Überblick

Bambu PLA Pure

Ein neues Filament mit Fokus auf Innenraumdruck, Emissionen, Spielzeug- und Lebensmittelkontakt.

Bambu X2D

Die Firmware erkennt anormale Werkzeugkopfwechsel besser und reduziert Geräusche der Z-Achse.

Sinterit BIANCO2

Ein kompakter CO₂-SLS-Drucker mit offenem Parameteransatz für professionelle Anwendungen.

Forschung

ORNL, Universität Stuttgart und Photocentric zeigen neue Wege für Composite-, Bio- und Weltraumdruck.

Bambu PLA Pure: Wird Filamentsicherheit zum Verkaufsargument?

Bambu Lab listet mit PLA Pure ein neues Filament, das ausdrücklich auf sichereres Drucken in Innenräumen ausgelegt ist. Der Hersteller bewirbt das Material als besonders emissionsarm, ungiftig, spielzeuggeeignet und für Lebensmittelkontakt geeignet.

Das ist interessant, weil viele Maker PLA bisher recht pauschal als „unproblematisch“ betrachten. In der Praxis ist die Sache aber komplizierter. Gerade bei Drucken für Wohnräume, Kinder, Küche oder kleine gewerbliche Produkte reicht es nicht, einfach nur zu sagen: „Das ist PLA, also passt das schon.“

Bambu Lab PLA Pure Filament
Bild: Bambu Lab PLA Pure, Beitragsbild im offiziellen Bambu Lab Blog.

Worauf es bei solchen Anwendungen ankommt

  • verwendete Farbstoffe und Additive
  • Emissionen beim Drucken
  • Drucktemperatur und Druckerzustand
  • Oberflächenstruktur und Reinigung
  • mechanische Sicherheit
  • tatsächlicher Einsatzzweck

Ein Filament, das diese Themen stärker adressiert, trifft deshalb einen wachsenden Bedarf.

Für wen ist PLA Pure interessant?

Besonders spannend ist PLA Pure für Nutzer, die regelmäßig Objekte drucken, die nicht nur als technische Prototypen gedacht sind. Dazu gehören Spielzeuge, Figuren, Fidgets, Deko-Objekte für Innenräume, Organizer, Küchenhelfer, Geschenke, Produkte für kleine Shops sowie Modelle für Schulen, Kitas oder Workshops.

Gerade für kleine Anbieter kann das Thema wichtig werden. Wer 3D-gedruckte Produkte verkauft, sollte sich langfristig stärker mit Materialangaben, Normen und Produktsicherheit beschäftigen. Bambu PLA Pure könnte hier ein Schritt in diese Richtung sein.

Kein Freifahrtschein für Lebensmittelkontakt oder Spielzeugverkauf

Trotzdem sollte man das Material nicht falsch verstehen. Ein Filament mit entsprechenden Materialangaben bedeutet nicht automatisch, dass jedes beliebige Druckteil rechtlich und praktisch unproblematisch ist.

Bei Lebensmittelkontakt bleiben Layerlinien, Reinigung, mögliche Kontamination der Düse, Rückstände von Druckplatten oder Klebern, Temperaturbeständigkeit und die tatsächliche Nutzung wichtig. Auch bei Spielzeug gilt: Ein Material allein macht noch kein sicheres Produkt.

Relevant sind zusätzlich verschluckbare Kleinteile, Bruchverhalten, scharfe Kanten, Stabilität, Konstruktion, Altersempfehlung und weitere Anforderungen aus Spielzeugnormen. PLA Pure ist deshalb kein pauschaler Freibrief. Es ist aber ein Hinweis darauf, dass Filamentsicherheit stärker als Verkaufsargument genutzt wird.

Bambu X2D: Firmware überwacht Toolhead-Wechsel besser

Auch beim Bambu X2D gibt es ein interessantes Firmware-Update. Bambu nennt in der Firmware-Historie unter anderem eine Reduzierung der Geräusche des Z-Achsen-Motors und eine Erkennung anormaler Werkzeugkopfwechsel während des Drucks.

Bambu X2D Firmware Release History
Bild: X2D Firmware Release History, Grafik aus dem offiziellen Bambu Lab Wiki.

Das klingt zunächst nach einem kleinen Update. Für ein Dual-Nozzle-System ist es aber relevant. Der X2D arbeitet mit zwei Düsen beziehungsweise Werkzeugpfaden. Wenn ein Wechsel zwischen den Werkzeugen nicht sauber erkannt wird, können daraus schnell Druckfehler entstehen.

Mögliche Folgen fehlerhafter Werkzeugwechsel

  • falsche Materialzuweisung
  • unsaubere Übergänge
  • Kollisionen oder Druckabbrüche
  • Probleme mit Supportmaterial
  • Schichtfehler
  • unnötiger Materialverbrauch

Dass Bambu die Erkennung solcher Fehler verbessert, zeigt: Je komplexer Drucker werden, desto wichtiger wird die Firmware. Mechanik allein reicht nicht mehr. Sensorik, Firmware und Fehlerdiagnose werden ein immer größerer Teil der Druckqualität.

Sinterit BIANCO2: Kompaktes SLS wird offener, aber nicht günstiger

Mit dem BIANCO2 stellt Sinterit einen neuen kompakten CO₂-SLS-Drucker vor. Das Gerät richtet sich klar nicht an klassische Hobbyanwender. Mit einem offiziellen Preis von rund 47.000 Euro bleibt es im professionellen Bereich.

Sinterit BIANCO2 kompakter CO2-SLS-Drucker
Bild: Sinterit BIANCO2, Beitragsbild im Bericht von VoxelMatters. Offizielle Produktseite: Sinterit BIANCO2.

Trotzdem ist der Ansatz interessant. Sinterit positioniert BIANCO2 als kompakte SLS-Plattform mit mehr Materialfreiheit. Neben klassischen technischen Pulvern sollen auch weiße, natürliche, färbbare und flexible Materialien verarbeitet werden können.

Besonders spannend ist der offene Parameteransatz. Mit Sinterit Studio Ultimate sollen Nutzer Zugriff auf bis zu 137 Druckparameter erhalten. Das richtet sich nicht nur an Anwender, die fertige Profile nutzen möchten, sondern auch an Teams, die eigene Materialien, Pulver und Prozesse entwickeln.

Warum SLS spannend bleibt

SLS unterscheidet sich deutlich von FDM und Resin. Beim selektiven Lasersintern liegt das Bauteil während des Drucks im Pulverbett. Dadurch sind keine klassischen Supportstrukturen nötig.

Das macht SLS interessant für funktionale Prototypen, bewegliche Baugruppen, Kleinserien, technische Geometrien, flexible Bauteile, Orthesen, Wearables und robuste Endteile.

Für viele Maker bleibt SLS finanziell außer Reichweite. Trotzdem ist die Entwicklung wichtig, weil kompaktere und offenere SLS-Systeme langfristig neue Möglichkeiten für kleine Entwicklungsbüros, Hochschulen und spezialisierte Werkstätten schaffen.

Markforged Onyx GF: Farbe als Funktion

Markforged hat mit Onyx GF ein glasfasergefülltes Nylon in mehreren Farben vorgestellt. Das Material ist für Markforged-Systeme gedacht und damit klar proprietär und professionell positioniert.

Interessant ist aber die Idee dahinter. Die Farben dienen nicht primär der Optik. Sie sollen funktionale Farbcodierung ermöglichen.

Mögliche Anwendungen in Werkstätten

  • rote Bauteile für Sicherheitsbereiche
  • gelbe Teile für Warnhinweise
  • blaue oder grüne Vorrichtungen zur Prozesszuordnung
  • farbige Jigs und Fixtures
  • visuelles Management und 5S-Systeme
  • bessere Zuordnung von Betriebsmitteln

Damit wird Farbe nicht nur dekorativ eingesetzt, sondern als Teil des Arbeitsprozesses. Für den Hobbybereich ist Onyx GF kaum relevant. Für kleine Betriebe und Werkstätten ist die Grundidee aber interessant.

Stratasys: Flammhemmendes FDM-Material für Bahn und Transport

Auch Stratasys erweitert sein Materialportfolio. Mit FDM PA6/66-GF30-FR bringt der Hersteller ein flammhemmendes, mit 30 Prozent Glasfaser verstärktes Nylon für Fortus 450mc und F900.

Stratasys FDM PA6/66-GF30-FR Material für Bahn und Transport
Bild: Stratasys Materialmeldung, Beitragsbild aus der offiziellen Stratasys-Pressemitteilung.

Das Material erfüllt laut Stratasys unter anderem Anforderungen für Bahn- und Transportanwendungen. Für den Consumer-Markt ist das weit weg. Trotzdem ist die Entwicklung spannend, weil sie zeigt, wie FDM im Industriebereich eingesetzt wird.

Es geht nicht mehr nur um Prototypen, sondern um zertifizierte Ersatzteile, Endbauteile, sicherheitsrelevante Anwendungen, kontrollierte Produktion, dokumentierte Materialeigenschaften und wiederholbare Fertigungsprozesse.

Forschung: Flach drucken, groß falten

Das Oak Ridge National Laboratory zeigt einen spannenden Forschungsansatz für Composite-Strukturen. Statt große Formen und aufwendige Werkzeuge zu nutzen, werden flache Strukturen additiv hergestellt und anschließend gefaltet. Der Ansatz ist von Origami inspiriert.

ORNL demonstriert origami-inspirierte 3D-Druckmethode
Bild: ORNL-Forschungsarbeit zu origami-inspirierten Strukturen, Bild aus der offiziellen ORNL-Meldung.

Das Ziel: komplexe Composite-Bauteile ohne klassische Formen fertigen. Der Vorteil liegt auf der Hand. Klassische Composite-Fertigung ist oft teuer und langsam, weil zunächst Formen gebaut werden müssen.

Wenn flach gedruckte Strukturen später in die gewünschte Form gebracht werden können, lassen sich Zeit, Werkzeugkosten und Maschinenbeschränkungen reduzieren. Für normale Desktopdrucker ist das nicht direkt nutzbar. Der Denkansatz ist aber spannend: Man muss nicht jedes große Bauteil direkt groß drucken. Man kann Geometrie, Material und Nachformung kombinieren.

Universität Stuttgart: Bio-Beton aus dem 3D-Drucker

Auch aus Deutschland gibt es eine interessante Forschungsarbeit. Forschende der Universität Stuttgart untersuchen 3D-gedruckte biozementierte Strukturen. Dabei wird eine feuchte Sandmischung verdichtet. Anschließend wird eine Bakteriensuspension gezielt entlang vorgegebener Pfade aufgebracht.

3D-gedruckte biozementierte Struktur der Universität Stuttgart
Bild: Biozementierte 3D-Druckstruktur der Universität Stuttgart, Beitragsbild im Bericht von VoxelMatters. Forschungsquelle: npj Advanced Manufacturing / Nature.

Die Verfestigung basiert auf mikrobiell induzierter Calciumcarbonat-Fällung. Vereinfacht gesagt: Bakterien helfen dabei, Sandpartikel mineralisch zu verbinden.

Das ist weit entfernt von einem normalen FDM- oder Resin-Drucker. Trotzdem passt es in einen wichtigen Trend: additive Fertigung wird zunehmend mit nachhaltigen Materialien und biologischen Prozessen kombiniert.

Gerade im Bauwesen ist das relevant, weil klassischer Zement für erhebliche CO₂-Emissionen verantwortlich ist. Ob solche Verfahren skalierbar und bautechnisch zulassungsfähig werden, ist offen. Als Forschungsrichtung ist es aber bemerkenswert.

Photocentric CosmicMaker: 3D-Druck für den Weltraum

Als Blick über den Tellerrand lohnt sich noch ein kurzer Blick auf Photocentric. Mit CosmicMaker arbeitet das Unternehmen an einer autonomen Fertigungsplattform für Weltraumanwendungen.

Photocentric CosmicMaker Fertigungsplattform für Weltraumanwendungen
Bild: CosmicMaker, Produkt-/Projektbild von Photocentric.

Das System basiert auf LCD-3D-Drucktechnologie und soll in extremen Umgebungen funktionieren. Für den normalen 3D-Druck-Alltag ist das natürlich weit entfernt. Die Grundidee ist aber spannend: Wenn Ersatzteile schwer oder extrem teuer zu transportieren sind, wird lokale Fertigung wichtiger.

Im Weltraum ist das besonders offensichtlich. Aber auch auf der Erde kann diese Denkweise relevant sein, etwa bei abgelegenen Standorten, Werkstätten, älteren Maschinen oder schwer verfügbaren Ersatzteilen.

Einordnung

Die aktuellen Entwicklungen zeigen: Der 3D-Druck bewegt sich nicht nur über neue Geräte weiter. Mindestens genauso wichtig werden sicherere Materialien, bessere Firmware, zuverlässigere Fehlererkennung, offenere Profisysteme, funktionale Farbcodierung, zertifizierte technische Werkstoffe, neue Fertigungsstrategien und nachhaltigere Materialkonzepte.

Bambu PLA Pure ist dabei das verbrauchernahe Thema dieser Runde. Es zeigt, dass Filamentsicherheit und Einsatzkontext stärker in den Fokus rücken. Das X2D-Firmware-Update zeigt, wie wichtig Software und Überwachung bei komplexeren Drucksystemen werden.

Sinterit, Markforged und Stratasys zeigen, wie stark der professionelle Bereich über Materialien und Prozesskontrolle vorangetrieben wird. Und die Forschung von ORNL und der Universität Stuttgart zeigt, dass additive Fertigung langfristig weit über klassische Desktopdrucker hinausgeht.

Fazit

Die eigentliche Entwicklung ist nicht nur: schneller drucken.

Wichtiger wird, sicherer, kontrollierter, materialbewusster und intelligenter zu drucken. Genau diese Richtung zeigen Bambu PLA Pure, die X2D-Firmware, Sinterit BIANCO2 und die aktuellen Forschungsprojekte sehr deutlich.

Quellen und offizielle Verweise