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Bambu Studio 2.8.1, Adidas BB.01 und digitale Identität

Neue 3D-Druck-News: Bambu Studio 2.8.1, Adidas BB.01 und digitale Identität für AM-Bauteile

Diese News-Runde zeigt sehr gut, dass der 3D-Druck nicht nur über neue Drucker wächst. Software wird wichtiger, Materialien werden spezialisierter, gedruckte Produkte erreichen echte Consumer-Märkte und professionelle Anwendungen brauchen immer mehr Nachweisbarkeit.

Software

Bambu Studio 2.8.1 macht Color Mixing mit Decompose Color komfortabler.

Consumer-Produkt

Adidas bringt mit dem BB.01 einen stark limitierten 3D-gedruckten Basketballschuh.

Industrie

CRP UniqTrust, EPFL-Elastomere und SWISSto12 zeigen, wie professioneller AM wird.

Bambu Studio 2.8.1 Public Beta: Color Mixing wird komfortabler

Bambu Studio 2.8.1 ist als Public Beta erschienen und bringt mehrere Änderungen, die für Bambu-Nutzer interessant sind.

Die wichtigste Neuerung ist Decompose Color. Damit kann Bambu Studio Zielfarben automatisch in passende Filamentkombinationen zerlegen. Unterstützt werden derzeit Farbkombinationen wie CMYW und RYBW mit Bambu PLA Basic.

Bambu Studio 2.8.1 Public Beta Release
Bild: Bambu Studio 2.8.1 Public Beta Release. Quelle: Bambu Lab auf GitHub.

Das ist besonders spannend, weil Color Mixing damit weniger experimentell wird. Bisher musste man viel selbst ausprobieren: Welche Filamente ergeben aus der Entfernung welche Mischfarbe? Wie stark wirkt der Layer-Effekt? Welche Farben lassen sich überhaupt sinnvoll kombinieren?

Decompose Color soll diesen Prozess vereinfachen.

Warum das für Multicolor-Druck relevant ist

Color Mixing im FDM-Druck ist kein echtes Vermischen wie bei Tinte oder Resin. Die Farben liegen weiterhin als einzelne Materialbahnen beziehungsweise Schichten vor. Aus etwas Entfernung entsteht aber eine optische Mischwirkung.

Genau deshalb ist Software hier entscheidend. Wenn der Slicer besser einschätzen kann, welche Filamentkombination welche Zielwirkung erzeugt, wird der Workflow zugänglicher. Das ist nicht nur für bunte Vasen interessant, sondern auch für Logos, dekorative Modelle, Schilder, Figuren oder einfache Farbverläufe.

Bambu Studio 2.8.1 verbessert außerdem die Farbvorschau für diese Mischkombinationen. Das ist wichtig, weil Nutzer vor dem Druck besser einschätzen müssen, ob ein Ergebnis überhaupt plausibel ist.

Mehr Hardware-Support: E3D und H2D-Funktionen

Neben Decompose Color bringt die Beta auch neue Hardware-Unterstützung. Bambu ergänzt E3D High Flow als Nozzle-Typ für mehrere aktuelle Systeme und erweitert die geräteseitige Filamentverwaltung. Dazu kommen H2D-spezifische Verbesserungen wie Restfilament-Erinnerungen und Unterstützung für den Filament Track Switch.

Das zeigt eine klare Richtung: Bambu Studio wird immer stärker zur zentralen Schaltstelle für Hardware, Filamente, Farbmischung, Düsen, Geräteverwaltung und Druckvorbereitung.

Kritische Einordnung

Der Komfortgewinn ist klar. Gleichzeitig steigt die Abhängigkeit von einem stark integrierten Software-Ökosystem.

Wenn Filamentverwaltung, Farblogik, Nozzle-Profile, Cloud-Funktionen und Druckerverbindungen immer enger zusammenwachsen, wird Bambu Studio nicht nur ein Slicer, sondern ein Kontrollzentrum.

Wichtig: Es handelt sich um eine Public Beta. Für produktive Workflows sollte man vorsichtig bleiben. Bambu weist außerdem darauf hin, dass 3MF-Dateien aus der Beta vorübergehend nicht für den Upload zu MakerWorld unterstützt werden.

Adidas BB.01: 3D-gedruckter Basketballschuh als limitierter Praxistest

Adidas hat mit dem BB.01 den ersten Schuh aus Project R.A.P. vorgestellt. R.A.P. steht für Radical Athlete Perception.

Der BB.01 nutzt eine 3D-gedruckte Lattice-Struktur, die den Fuß umschließen und ein spezielles Bewegungsgefühl ermöglichen soll. Adidas positioniert das Projekt als Plattform für sportartspezifische Performance-Schuhe.

Adidas BB.01 3D-gedruckter Basketballschuh
Bild: Adidas BB.01. Quelle: House of Heat, Fotoangabe dort: adidas. Offizielle Meldung: adidas News.

Die Veröffentlichung ist stark limitiert. Adidas nennt weltweit nur 169 Paar.

Warum das spannend ist

3D-gedruckte Schuhe sind kein völlig neues Thema. Adidas arbeitet seit Jahren mit additiven Strukturen, insbesondere bei Zwischensohlen und Lattice-Konzepten.

Der BB.01 ist trotzdem interessant, weil er zeigt, dass 3D-Druck bei Schuhen weiter in Richtung Performance-Produkt gedacht wird.

Bei Sportschuhen geht es nicht nur um Optik. Entscheidend sind:

  • Dämpfung
  • Stabilität
  • Rückstellkraft
  • Atmungsaktivität
  • Passform
  • Gewicht
  • Halt bei seitlichen Bewegungen
  • Haltbarkeit
  • Reproduzierbarkeit

Lattice-Strukturen können hier Vorteile bieten, weil sie mechanische Eigenschaften gezielt über die Geometrie beeinflussen können.

Noch kein Massenprodukt

Trotzdem sollte man den BB.01 nicht überhöhen. 169 Paar sind kein Durchbruch in den Massenmarkt. Das ist eher ein kontrollierter Praxistest, ein Markenstatement und ein Signal an den Markt.

Für den 3D-Druck ist der Schuh dennoch relevant. Er zeigt, dass additive Fertigung nicht nur Prototyping ist. Gedruckte Strukturen können Teil echter Consumer-Produkte werden, wenn sie einen funktionalen Vorteil bieten.

Einordnung: Das ist kein Desktop-3D-Druck. Hier geht es um industrielle Fertigung, Materialentwicklung, Designkontrolle und Performance-Testing.

CRP UniqTrust: Digitale Identität für 3D-gedruckte Windform-Bauteile

CRP Group hat mit CRP UniqTrust ein digitales Identitäts- und Anti-Fälschungssystem für Bauteile aus Windform-Materialien vorgestellt.

Das System soll es autorisierten Nutzern ermöglichen, die Echtheit eines Bauteils per Smartphone zu prüfen. Dafür wird ein verschlüsselter Mikrochip in der Verpackung eingebettet. Eine separate App soll nicht nötig sein.

CRP UniqTrust digitale Identität für Windform Bauteile
Bild: CRP UniqTrust. Quelle: CRP Group.

CRP positioniert UniqTrust für anspruchsvolle Bereiche wie Aerospace, Motorsport und Defense.

Warum Nachweisbarkeit wichtiger wird

Bei professionellen AM-Bauteilen geht es nicht nur darum, ob ein Teil gut aussieht oder mechanisch hält.

  • Wo wurde das Teil hergestellt?
  • Aus welchem Material?
  • Mit welchem Prozess?
  • Nach welchen Spezifikationen?
  • Mit welchen Prüfberichten?
  • Ist es echt oder gefälscht?
  • Gehört es zu einer freigegebenen Charge?
  • Gibt es Konformitätsdokumente?
  • Wer darf die Informationen sehen?

In kritischen Branchen ist Rückverfolgbarkeit ein zentraler Bestandteil der Qualitätssicherung.

Verpackung statt Bauteil

Wichtig ist die Einordnung: Der Chip sitzt laut CRP in der Verpackung, nicht zwingend im gedruckten Bauteil selbst.

Das stärkt die Lieferkette und die Authentifizierung beim Empfang. Es ersetzt aber nicht automatisch eine technische Prüfung des Bauteils oder eine vollständige Zertifizierung.

Die Richtung ist klar: Professionelle 3D-Druckteile brauchen immer häufiger eine digitale Identität. Gerade wenn Bauteile in Motorsport, Luftfahrt oder sicherheitskritischen Anwendungen eingesetzt werden, reicht ein schönes Druckergebnis nicht aus.

Das Teil muss nachvollziehbar sein.

EPFL: 3D-druckbare Elastomere werden zäher und langlebiger

Forschende der EPFL haben ein 3D-druckbares Elastomer-Konzept weiterentwickelt: sogenannte Double Network Granular Elastomers.

EPFL Double Network Granular Elastomers
Bild: 3D-druckbare elastische Polymere der EPFL. Quelle: EPFL.

Die optimierten Materialien sollen laut EPFL eine deutlich höhere Bruchzähigkeit und bessere Ermüdungsbeständigkeit erreichen als vergleichbare Elastomere. Der Grund liegt in der inneren granularen Struktur. Mechanische Spannung wird nicht einfach durch das Material geleitet, sondern anders verteilt. Risse werden abgelenkt und wiederholte Belastung kann besser aufgenommen werden.

Warum flexible Materialien schwierig sind

Flexible 3D-Druckmaterialien sind im Alltag oft ein Kompromiss. TPU und ähnliche Materialien sind zwar elastisch, aber nicht automatisch langlebig, präzise oder einfach zu drucken.

Besonders schwierig ist die Kombination aus:

  • Weichheit
  • Zähigkeit
  • Ermüdungsbeständigkeit
  • Druckbarkeit
  • Formstabilität
  • Wiederholgenauigkeit
  • Belastbarkeit über viele Zyklen

Genau diese Eigenschaften sind aber wichtig für Anwendungen wie Soft Robotics, Wearables, biomedizinische Geräte, flexible Greifer, Dichtungen oder funktionale elastische Bauteile.

Keine neue TPU-Spule für den Desktop

Wichtig: Das ist Forschung, kein neues Filament für den normalen FDM-Drucker.

Die EPFL-Arbeit ist trotzdem relevant, weil sie zeigt, wohin Materialentwicklung im 3D-Druck gehen kann. Es geht nicht nur um neue Farben oder einfachere Verarbeitung. Es geht um gezielt einstellbare mechanische Eigenschaften.

Langfristig könnten solche Materialien helfen, flexible 3D-Druckteile deutlich funktionaler und langlebiger zu machen.

SWISSto12 und AM Research: Wachstum dort, wo 3D-Druck echte Vorteile bringt

Ein kurzer Blick in den Markt zeigt eine interessante Spannung.

Additive Manufacturing Research meldet für Q1 2026 ein globales 3D-Druck- und AM-Marktvolumen von 4,35 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 13,1 Prozent gegenüber Q1 2025. Metall-AM lag bei 1,76 Milliarden US-Dollar, Polymer-AM bei 2,59 Milliarden US-Dollar.

Der Markt wächst also.

SWISSto12 HummingSat
Bild: SWISSto12 HummingSat. Quelle: SWISSto12.

Gleichzeitig profitieren nicht alle gleich. Einige Unternehmen wachsen, andere restrukturieren oder verschwinden. Entscheidend ist, ob 3D-Druck in einer Anwendung wirklich einen klaren Vorteil bringt.

Ein Beispiel dafür ist SWISSto12. Das Schweizer Unternehmen hat eine Series-C-Finanzierungsrunde über 70 Millionen US-Dollar abgeschlossen und nutzt additive Fertigung für komplexe RF-Komponenten, Antennen, Filter, Waveguides und Satelliten-Payloads.

Warum das wichtig ist

Solche Anwendungen zeigen, wo 3D-Druck industriell besonders stark ist:

  • komplexe interne Geometrien
  • Gewichtsreduktion
  • Funktionsintegration
  • RF- und Antennenstrukturen
  • kleine bis mittlere Stückzahlen
  • hohe technische Anforderungen
  • Bauteile, die konventionell schwer herzustellen sind

Das ist eine andere Welt als Desktop-FDM. Aber es zeigt, dass additive Fertigung dort besonders gut funktioniert, wo sie nicht nur billiger, sondern technisch besser oder überhaupt erst sinnvoll ist.

Fazit

Diese News-Runde zeigt mehrere Entwicklungsrichtungen gleichzeitig.

Bambu Studio 2.8.1 macht Color Mixing komfortabler und zeigt, wie stark Software den 3D-Druck inzwischen prägt.

Der Adidas BB.01 zeigt, dass 3D-gedruckte Strukturen weiter in echte Consumer-Produkte wandern, auch wenn der aktuelle Schuh noch stark limitiert ist.

CRP UniqTrust zeigt, dass professionelle AM-Bauteile künftig stärker über digitale Identität, Echtheit und Rückverfolgbarkeit abgesichert werden müssen.

Die EPFL-Elastomere zeigen, dass Materialforschung flexible 3D-Druckteile belastbarer und langlebiger machen kann.

Und der Blick auf SWISSto12 und die AM-Marktdaten zeigt: Der 3D-Druckmarkt wächst, aber Wachstum entsteht nicht überall gleich. Besonders stark ist additive Fertigung dort, wo sie einen klaren technischen Vorteil liefert.

Die zentrale Erkenntnis: 3D-Druck wird professioneller, nicht nur durch bessere Maschinen, sondern durch bessere Software, bessere Materialien, bessere Nachweise und klarere Anwendungen.

Quellen und weiterführende Links