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ELEGOO Centauri 2 startet und Color Mixing wird zum Slicer-Trend

3D-Druck-News

ELEGOO Centauri 2, Snapmaker Full Spectrum und Prusament PLA High Speed

Im Consumer-3D-Druck bewegt sich aktuell viel, aber nicht immer dort, wo man zuerst hinschaut. Neue Drucker sind spannend, doch mindestens genauso wichtig werden Slicer-Funktionen, Materialprofile und bessere Konstruktionswerkzeuge.

Die wichtigsten Meldungen im Überblick

ELEGOO Centauri 2

CoreXY, Multicolor-Option und CANVAS-System bringen mehr Wettbewerb ins günstige Segment.

Snapmaker Full Spectrum

Color Mixing wird offiziell Teil von Snapmaker Orca und bleibt zugleich ein experimenteller Workflow.

Prusament PLA High Speed

Prusa positioniert ein PLA speziell für schnelle Druckprofile und Rapid Prototyping.

FusedFilamentDesign

Ein FreeCAD-Addon bringt FDM-gerechte Konstruktionshilfen direkt in die CAD-Umgebung.

ELEGOO Centauri 2: Günstiger CoreXY-Multicolor-Druck wird breiter

ELEGOO erweitert die Centauri-Reihe um Centauri 2 und Centauri 2 Combo. Damit bewegt sich der Hersteller weiter in Richtung günstiger, einfach zugänglicher CoreXY-Drucker mit Multicolor-Option.

Besonders interessant ist der Blick auf den bereits gelisteten Centauri Carbon 2 Combo. ELEGOO nennt dort unter anderem CoreXY-Kinematik, 256 × 256 × 256 mm Bauraum, bis zu 500 mm/s, bis zu 20.000 mm/s² Beschleunigung, eine 350-°C-Hardened-Steel-Nozzle, automatische Kalibrierung, Kameraüberwachung und das CANVAS-System für 4-Farb-Druck.

ELEGOO Centauri Carbon 2 Combo 3D-Drucker
Bild: ELEGOO Centauri Carbon 2 Combo, Produktbild von der offiziellen ELEGOO-Produktseite.

Damit zielt ELEGOO klar auf den Markt, in dem sich auch Bambu Lab, Creality, Anycubic, Qidi und Flashforge bewegen.

CANVAS ist kein Toolchanger

Wichtig ist die technische Einordnung: CANVAS ist kein Toolchanger. Es handelt sich um ein Filamentwechselsystem für mehrere Farben. Der Drucker kann also mit mehreren Filamenten arbeiten, nutzt aber weiterhin keinen vollständigen Werkzeugwechsel wie ein Prusa XL, Snapmaker U1 oder Flashforge Creator 5.

Damit bleiben typische Fragen bestehen: Wie viel Purge-Abfall entsteht? Wie lange dauern Farbwechsel? Wie zuverlässig arbeitet die Filamentzuführung? Wie gut ist die Slicer-Integration? Wie offen ist das System für Fremdfilamente? Wie gut funktioniert TPU?

Trotzdem ist die Centauri-2-Serie relevant. ELEGOO bringt Multicolor und CoreXY weiter in einen Preisbereich, der für viele Einsteiger und ambitionierte Hobbyanwender interessant wird.

Mehr Wettbewerb im unteren CoreXY-Segment

Der Markt wird dadurch enger. Bambu Lab hat mit A-, P- und X-Serie starke Ökosysteme aufgebaut. Creality arbeitet an KliTek und CFS. Anycubic hat ACE-Systeme. Qidi positioniert sich zunehmend stärker im geschlossenen Prosumer-Bereich.

ELEGOO muss sich deshalb nicht nur über den Preis behaupten, sondern auch über Bedienkomfort, Software, Zuverlässigkeit und Materialprofile.

Gerade bei günstigen Multicolor-Systemen entscheidet am Ende nicht die Zahl der Farben auf dem Datenblatt. Entscheidend ist, wie zuverlässig das System nach vielen Drucken funktioniert und wie viel Material beim Farbwechsel tatsächlich verloren geht.

Snapmaker Full Spectrum: Color Mixing wird zum Slicer-Trend

Ein zweites wichtiges Thema ist Snapmaker Full Spectrum. Die Funktion war zunächst stark mit Community-Entwicklung und Beta-Status verbunden. Inzwischen ist Full Spectrum offiziell in Snapmaker Orca v2.3.4+ integriert.

Dabei sollte man sauber formulieren: Snapmaker führt Full Spectrum inzwischen als Teil des offiziellen Snapmaker-Orca-Release-Zweigs. Gleichzeitig wird die Funktion an mehreren Stellen weiterhin als Beta beziehungsweise experimenteller Workflow beschrieben. Das ist kein Widerspruch, aber eine wichtige Differenzierung.

Snapmaker Full Spectrum Slicing
Bild: Snapmaker Full Spectrum Slicing, Beitragsbild im offiziellen Snapmaker Blog.

Was macht Full Spectrum?

Full Spectrum erzeugt zusätzliche sichtbare Farben aus wenigen tatsächlich geladenen Filamenten. Das Material wird dabei nicht physisch vermischt. Stattdessen druckt der Slicer unterschiedliche Farben in dünnen Schichten beziehungsweise Mustern so, dass aus normalem Betrachtungsabstand ein gemischter Farbeindruck entsteht.

Das Prinzip ist eng verwandt mit Color Mixing in Bambu Studio und Prusa ColorMix. Der interessante Punkt ist: Diese Technik taucht inzwischen in mehreren Slicer- und Hersteller-Ökosystemen auf.

Bambu Studio bietet gemischte Filamente und Verläufe. Prusa arbeitet mit ColorMix und der Shading-App. Snapmaker integriert Full Spectrum in Snapmaker Orca. Damit wird klar: Color Mixing ist kein einzelnes Herstellerfeature mehr. Es entwickelt sich zu einem allgemeinen Slicer-Trend.

Nicht perfekt, aber kreativ sehr interessant

Color Mixing ersetzt keine echte Vollfarbdruck-Technologie. Die Wirkung hängt stark von Filamenttransparenz, Pigmentierung, Schichthöhe, Betrachtungsabstand, Beleuchtung, Modellgeometrie und Druckorientierung ab.

Aus der Nähe bleiben einzelne Schichten oder Muster teilweise sichtbar. Mit etwas Abstand kann der Effekt aber erstaunlich überzeugend sein.

Besonders interessant ist die Funktion für Figuren, Vasen, Lampenschirme, Logos, Reliefs, dekorative Bauteile, Kleinserien und personalisierte Produkte.

Für technische Bauteile ist der Nutzen geringer. Für dekorative Anwendungen kann Color Mixing aber deutlich mehr Spielraum bieten, ohne für jeden Farbton eine eigene Filamentrolle zu benötigen.

Prusament PLA High Speed: PLA für schnelle Prototypen

Auch Prusa hat eine relevante Materialneuheit vorgestellt: Prusament PLA High Speed. Das Material ist nicht einfach nur ein weiteres PLA in neuen Farben. Prusa positioniert es ausdrücklich für schnelle Druckprofile und Rapid Prototyping.

Der Fokus liegt auf höherem Materialfluss und besserem Verhalten bei schnellen Druckgeschwindigkeiten.

Prusament PLA High Speed Filament
Bild: Prusament PLA High Speed, Beitragsbild im offiziellen Prusa Blog.

Moderne Drucker sind deutlich schneller geworden. CoreXY-Systeme mit hohen Beschleunigungen und schnellen Bewegungen sind inzwischen auch im Consumer-Bereich normal. Das Problem: Nicht jedes Filament kommt mit hohen Volumenströmen gleich gut zurecht.

Typische Probleme bei zu hohem Tempo

  • Unterextrusion
  • matte oder ungleichmäßige Oberflächen
  • schwächere Layerhaftung
  • schlechtere Maßhaltigkeit
  • sichtbare Artefakte
  • schlechtere Qualität bei hohen Geschwindigkeiten

High-Speed-Filamente sollen genau hier helfen. Prusa beschreibt PLA High Speed als Material mit höherer Fließfähigkeit und Eigenschaften, die besser zu schnellen Prototyping-Workflows passen.

Nicht als Ersatz für jedes PLA gedacht

Wichtig ist die Einordnung: Prusament PLA High Speed ersetzt nicht automatisch klassisches Prusament PLA. Je nach Anwendung können andere Eigenschaften wichtiger sein als Geschwindigkeit: matte Oberfläche, Optik, Farbwirkung, Details, Temperaturverhalten, mechanische Eigenschaften, Preis oder Verfügbarkeit.

High-Speed-PLA ist besonders dann interessant, wenn schnell brauchbare Prototypen entstehen sollen. Für finale, optisch perfekte Modelle oder besonders schöne Oberflächen kann ein klassisches PLA weiterhin sinnvoller sein.

Zusammen mit Entwicklungen wie Bambu PLA Pure zeigt sich ein klarer Trend: PLA ist nicht mehr einfach nur PLA. Einige Materialien optimieren auf niedrige Emissionen, Spielzeug- oder Lebensmittelkontakt, matte Oberfläche, hohe Geschwindigkeit, bessere Layerhaftung, einfache Druckbarkeit, besondere Optik oder funktionale Eigenschaften.

Rahix FusedFilamentDesign: FreeCAD-Addon für bessere FDM-Konstruktionen

Nicht jede spannende Entwicklung kommt von einem Druckerhersteller. Das Open-Source-Projekt FusedFilamentDesign von Rahix ist ein Addon für FreeCAD. Es bringt Werkzeuge direkt in die CAD-Umgebung, mit denen sich Bauteile FDM-gerechter konstruieren lassen.

Das ist besonders interessant, weil viele Druckprobleme nicht im Slicer entstehen, sondern schon im CAD-Modell.

Rahix FusedFilamentDesign FreeCAD Addon
Bild: FusedFilamentDesign Projektgrafik, Quelle: Rahix/FusedFilamentDesign auf GitHub.

Das Addon bietet unter anderem Funktionen für

  • Teardrop-Formen
  • druckfreundliche Bohrungen
  • Counterbore Bridges
  • Thread Forming Ribs
  • Zip Tie Channels
  • Roof Bridges
  • Auto Fillets
  • geplante Sacrificial-Layer- und Seam-Groove-Funktionen

Solche Geometrien helfen, typische FDM-Probleme zu vermeiden. Ein rundes horizontales Loch sieht im CAD sauber aus, ist aber im FDM-Druck oft problematisch, weil der obere Bereich einen Überhang bildet. Eine Teardrop-Form kann hier deutlich besser druckbar sein.

Konstruktion vor Slicer-Optimierung

Das passt zu einem wichtigen Grundsatz: Guter 3D-Druck beginnt nicht im Slicer. Er beginnt im CAD.

Natürlich können moderne Slicer viel ausgleichen. Aber wenn ein Modell von Anfang an druckgerecht konstruiert ist, braucht es weniger Support, weniger Nacharbeit und weniger Tricks.

Für funktionale Teile wie Halterungen, Adapter, Gehäuse, Vorrichtungen, Kabelmanagement, Ersatzteile, Werkstatthelfer und Prototypen kann ein Addon wie FusedFilamentDesign helfen, wiederkehrende FDM-Konstruktionsregeln schneller und sauberer umzusetzen.

Trotzdem ersetzt das Addon kein grundlegendes Verständnis. Wer nicht weiß, warum eine Teardrop-Bohrung sinnvoll ist, wird auch mit Werkzeug nicht automatisch bessere Teile konstruieren. Aber genau solche Tools können helfen, gute Konstruktionsgewohnheiten in den Alltag zu übernehmen.

Fazit

Die aktuellen Meldungen zeigen drei klare Entwicklungen.

Erstens: Multicolor wird günstiger und breiter verfügbar. ELEGOO bringt mit der Centauri-2-Serie mehr Bewegung in den günstigen CoreXY-Markt. Auch wenn CANVAS kein Toolchanger ist, wird Multicolor damit für mehr Nutzer erreichbar.

Zweitens: Color Mixing entwickelt sich zum Slicer-Trend. Bambu Studio, Prusa ColorMix und Snapmaker Full Spectrum zeigen, dass zusätzliche Farben nicht zwingend durch zusätzliche Filamente entstehen müssen. Optische Farbmischung wird zunehmend Teil moderner Slicer-Workflows.

Drittens: Materialien und Konstruktion werden spezialisierter. Prusament PLA High Speed zeigt, dass Filamente gezielter für schnelle Druckprofile entwickelt werden. FusedFilamentDesign zeigt, dass druckgerechte Konstruktion direkt im CAD besser unterstützt werden kann.

Der beste Druck entsteht nicht durch eine einzelne neue Funktion, sondern durch einen besseren Gesamtprozess aus Hardware, Material, Slicer, CAD, Workflow und dem tatsächlichen Anwendungsfall.

Quellen und offizielle Verweise