3D-Druck-News
Elegoo Nexprint: Welche Rolle DJI und Thingiverse wirklich spielen
Elegoo baut mit Nexprint ein eigenes 3D-Druck-Ökosystem auf. Gleichzeitig ist DJI als strategischer Investor eingestiegen und Thingiverse wird als externe Modellquelle relevant. Doch diese Entwicklungen müssen sauber voneinander getrennt werden.
Die wichtigsten Punkte im Überblick
Elegoo baut ein eigenes Modellportal mit Community-Uploads, offiziellen Modellen, Druckprofilen und Slicer-Anbindung auf.
DJI ist strategischer Investor bei Elegoo, betreibt Nexprint aber nach aktuellem Stand nicht selbst.
Thingiverse gehört inzwischen zu MyMiniFactory und ist keine belegte Elegoo-Tochter oder exklusive Partnerplattform.
Der Wettbewerb verschiebt sich von reiner Hardware hin zu Plattformen, Apps, Slicern, Profilen und Modellbibliotheken.
Das neue Elegoo-Modellportal heißt Nexprint
Im Consumer-3D-Druck entscheidet längst nicht mehr allein die Hardware darüber, welcher Hersteller langfristig erfolgreich sein wird. Ein moderner Drucker soll möglichst einfach eingerichtet werden, zuverlässig funktionieren und idealerweise direkt mit Slicer, App, Cloud-Anbindung und einer umfangreichen Modellbibliothek verknüpft sein.
Bambu Lab hat mit MakerWorld gezeigt, wie wirksam ein solches Ökosystem sein kann. Nutzer wählen ein Modell aus, laden ein passendes Druckprofil und starten den Druck mit vergleichsweise wenig Aufwand. Gleichzeitig sorgen Belohnungssysteme dafür, dass Designer laufend neue Modelle und Profile bereitstellen.
Elegoo versucht nun, eine eigene Plattformstrategie aufzubauen. Das zentrale Modellportal heißt Nexprint. Hinzu kommen der Elegoo Slicer, die Matrix App zur Fernsteuerung kompatibler Drucker und weitere Softwareangebote.
Elegoo hat Nexprint offiziell im August 2025 vorgestellt. Die Plattform soll das Teilen, Herunterladen und Drucken von 3D-Modellen vereinfachen. Neben offiziellen Elegoo-Modellen sollen auch Inhalte der Community verfügbar sein. Nexprint ist weiterhin als Beta gekennzeichnet und befindet sich damit noch im Ausbau.
Nexprint soll mehrere Modellportale gleichzeitig durchsuchen
Der interessanteste Punkt ist die geplante Aggregation externer Plattformen. Elegoo nennt in den eigenen Beta-Informationen unter anderem Thingiverse, Printables, MakerWorld und weitere Modellplattformen.
Nexprint soll damit als zentrale Suchoberfläche dienen. Nutzer müssten nicht mehr mehrere Portale einzeln durchsuchen, sondern könnten Modelle verschiedener Quellen an einer Stelle finden. Elegoo beschreibt Nexprint entsprechend als plattformübergreifenden „Smart Printing Hub“.
Das unterscheidet Nexprint zumindest konzeptionell von vielen herstellergebundenen Portalen. MakerWorld ist eng mit dem Bambu-Lab-Ökosystem verknüpft. Printables wird von Prusa betrieben, richtet sich aber vergleichsweise offen an Nutzer unterschiedlicher Druckermarken. Nexprint versucht offenbar, beide Ansätze miteinander zu verbinden: eine eigene Elegoo-Plattform mit Herstellerintegration und zusätzlich eine Suche über konkurrierende Plattformen hinweg.
Offene Fragen zur Metasuche
- Wie vollständig wird die plattformübergreifende Suche tatsächlich sein?
- Werden nur Vorschaudaten angezeigt oder Dateien direkt abrufbar sein?
- Wie sauber werden Lizenzen, Remix-Regeln und Urheberangaben dargestellt?
- Wie geht Nexprint mit Dubletten um?
- Wie gut lassen sich Druckprofile übertragen, wenn sie für andere Drucker erstellt wurden?
Gerade bei funktionalen Modellen ist der Unterschied zwischen einer reinen Dateisuche und einem zuverlässig druckbaren Profil erheblich. Ein STL-Modell kann grundsätzlich auf vielen Druckern verarbeitet werden. Ein abgestimmtes 3MF-Profil enthält jedoch häufig gerätespezifische Parameter, Materialeinstellungen und Annahmen über Düse, Bauraum oder Druckbett.
Wichtig: „Open Source“ nicht falsch verstehen
Elegoo verwendet für Nexprint Begriffe wie „Open-Source Aggregation“ und beschreibt die Plattform als offene Community. Das sollte nicht missverstanden werden.
Nach derzeitigem Stand ist damit vor allem gemeint, dass offene und frei verfügbare 3D-Modelle unterschiedlicher Plattformen auffindbar gemacht werden sollen. Daraus folgt nicht automatisch, dass die Softwarearchitektur oder der Quellcode von Nexprint selbst vollständig als Open-Source-Projekt veröffentlicht wurde.
Nexprint wirkt derzeit vor allem wie ein offeneres Herstellerportal mit Aggregationsfunktion, nicht zwingend wie ein vollständig quelloffenes Softwareprojekt.
Elegoo investiert gezielt in neue Inhalte
Eine neue Plattform ist nur dann interessant, wenn Nutzer dort ausreichend hochwertige Modelle finden. Genau daran scheitern viele neue Modellbibliotheken: Technisch lässt sich ein Portal vergleichsweise schnell aufbauen. Eine große, aktive Community entsteht jedoch nicht automatisch.
Elegoo versucht deshalb, Designer mit einem umfangreichen Förderprogramm anzulocken. Für Nexprint wurde ein Creator Fund in Höhe von einer Million US-Dollar angekündigt. Der Fonds soll über ein Jahr verteilt werden. Für geprüfte Uploads wurden zunächst fünf US-Dollar pro akzeptiertem Modell zugesagt. Hochwertige Modelle können zusätzlich vergütet und auf der Plattform stärker hervorgehoben werden. Exklusivität wird dabei nicht verlangt.
Das ist strategisch nachvollziehbar. Ein attraktives Belohnungssystem kann die Zahl der verfügbaren Modelle schnell erhöhen. Gleichzeitig entsteht jedoch ein Qualitätsproblem: Wenn Uploads direkt vergütet werden, besteht immer auch ein Anreiz, möglichst viele Modelle einzureichen.
Entscheidend wird deshalb sein, wie streng Nexprint die Inhalte prüft. Eine hohe Modellanzahl ist nicht automatisch ein Vorteil, wenn Nutzer anschließend durch schlecht dokumentierte Dateien, ungetestete Entwürfe oder geringfügig veränderte Varianten navigieren müssen.
Thingiverse gehört nicht zu Elegoo
Thingiverse taucht bei Nexprint auf, weil das Portal zu den vorgesehenen externen Quellen der plattformübergreifenden Suche zählt. Das ist jedoch keine belegte exklusive Kooperation.
Es gibt derzeit keine öffentlich dokumentierte Ankündigung, nach der Elegoo Thingiverse übernommen hätte oder beide Plattformen gemeinsam betrieben würden. Ebenso wenig gibt es einen Nachweis, dass DJI unmittelbar an Thingiverse beteiligt wäre.
Thingiverse verfolgt parallel eine eigene Entwicklung: Die traditionsreiche Modellplattform wurde am 12. Februar 2026 vollständig von MyMiniFactory übernommen. Verkäufer war UltiMaker. Nach Angaben von MyMiniFactory bringt Thingiverse nahezu acht Millionen Nutzer und eine Bibliothek mit mehr als sechs Millionen Designs ein.
Thingiverse wird nun dem sogenannten SoulCrafted Ecosystem zugeordnet. Dazu gehören laut der Übernahmeankündigung unter anderem MyMiniFactory, Thingiverse, YouMagine und der SoulCrafted Slicer. MyMiniFactory will die offene Sharing-Kultur von Thingiverse grundsätzlich erhalten und gleichzeitig neue Monetarisierungsmöglichkeiten für Designer schaffen.
| Unternehmen | Plattform | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Elegoo | Nexprint | Herstellerökosystem, Slicer-Anbindung, App-Integration und plattformübergreifende Modellsuche |
| MyMiniFactory | Thingiverse und SoulCrafted Ecosystem | Creator-Monetarisierung, menschlich erstellte Inhalte und Weiterentwicklung bestehender Community-Plattformen |
Thingiverse kann bei Nexprint also als externe Quelle auftauchen, ohne Teil des Elegoo-Ökosystems zu sein.
Welche Rolle spielt DJI wirklich?
Auch bei DJI ist eine präzise Einordnung wichtig. DJI betreibt Nexprint nicht selbst und hat bislang kein eigenes 3D-Druck-Produkt angekündigt.
Belegt ist jedoch, dass DJI strategisch bei Elegoo eingestiegen ist. Das chinesische Technologieportal 36Kr berichtete im November 2025 über eine strategische Finanzierungsrunde. TechNode berichtete ergänzend, dass DJI nach einer Handelsregisteränderung als neuer Anteilseigner der Elegoo-Muttergesellschaft geführt wurde.
Die exakte Beteiligungsquote ist öffentlich nicht klar dokumentiert. Auch sollte das eingetragene Stammkapital der Gesellschaft nicht mit dem tatsächlichen Umfang der Finanzierungsrunde verwechselt werden. Belegt ist aber, dass es sich nicht nur um eine lose Kooperation oder ein gemeinsames Marketingprojekt handelt: DJI ist finanziell bei Elegoo engagiert.
Das ist deshalb bemerkenswert, weil DJI in den vergangenen Jahren gezeigt hat, wie komplexe Consumer-Hardware durch eine enge Verzahnung von Mechanik, Elektronik, Sensorik, Software und Benutzerführung massentauglich werden kann.
Warum DJI für Elegoo interessant sein könnte
- Erfahrung mit global vermarkteter Consumer-Hardware
- effiziente Serienfertigung und Supply-Chain-Management
- Sensorik, Kamerasysteme und Regelungstechnik
- benutzerfreundliche Apps und Softwareintegration
- Markenaufbau in internationalen Märkten
Die sachlich korrekte Formulierung lautet daher: DJI ist ein strategischer Investor bei Elegoo. Eine direkte technische Mitentwicklung einzelner Drucker oder von Nexprint ist plausibel, aber bislang nicht belegt.
Elegoo baut längst mehr als nur Drucker
Nexprint ist keine isolierte Plattform. Elegoo arbeitet seit einiger Zeit daran, mehrere Bausteine miteinander zu verbinden: Modellbibliothek, Slicer, App-Steuerung, Drucker, Verbrauchsmaterialien und Creator-Bindung.
| Ebene | Elegoo-Angebot | Funktion |
|---|---|---|
| Modellbibliothek | Nexprint | Modelle suchen, hochladen, teilen und perspektivisch plattformübergreifend finden |
| FDM-Slicing | Elegoo Slicer | Druckvorbereitung für FDM-Drucker |
| Resin-Slicing | SatelLite | Druckvorbereitung für Resin-Drucker |
| Mobile Steuerung | Matrix App | Drucker überwachen und kompatible Geräte fernsteuern |
| Hardware | Elegoo-Drucker | FDM- und Resin-Systeme |
| Creator-Bindung | Creator Fund | Anreiz für neue Originalmodelle |
Die Matrix App wurde bereits im Juni 2025 offiziell vorgestellt. Sie soll kompatible Drucker über das Smartphone verwalten, Druckfortschritt und Statuswerte anzeigen sowie Fernsteuerung und Druckhistorie ermöglichen. Elegoo bezeichnete die App damals als wichtigen Schritt hin zu einem vernetzten Ökosystem.
Ist Nexprint ein Angriff auf MakerWorld?
Ein direkter Vergleich mit MakerWorld liegt nahe, greift aber zu kurz. MakerWorld profitiert stark von der engen Verbindung mit Bambu-Lab-Druckern. Viele Modelle stehen mit erprobten Druckprofilen bereit. Der Nutzer muss sich deutlich weniger mit Slicer-Einstellungen beschäftigen als bei klassischen STL-Portalen.
Nexprint verfolgt teilweise denselben Ansatz: eigene Modellbibliothek, Community-Uploads, Druckprofile, Slicer-Anbindung, Belohnungen, Wettbewerbe und Integration in ein Herstellerökosystem.
Gleichzeitig versucht Elegoo, sich durch die plattformübergreifende Suche abzugrenzen. Statt ausschließlich eine abgeschlossene Modellwelt aufzubauen, soll Nexprint auch Inhalte anderer Portale auffindbar machen.
Das könnte für Nutzer einen echten Mehrwert bieten. Es könnte aber auch zu einem schwierigen Spagat werden: Eine offene Metasuche ist bequem, während ein wirklich zuverlässiger Ein-Klick-Workflow eine sehr enge Kontrolle über Modelle, Profile, Drucker und Software benötigt.
Was bedeutet das für Nutzer anderer Druckermarken?
Elegoo betont, dass Nexprint nicht ausschließlich für eigene Drucker gedacht ist. Durch die Integration mit OrcaSlicer und die allgemeine Bereitstellung von STL- und 3MF-Dateien soll die Plattform grundsätzlich auch für Besitzer anderer Drucker interessant sein.
Für Anwender anderer Marken dürfte Nexprint zunächst vor allem als zusätzliche Modellsuche relevant sein. Die tiefste Integration ist jedoch erwartungsgemäß für Elegoo-Drucker zu erwarten.
Das entspricht dem üblichen Muster im Consumer-3D-Druck: Modelle und STL-Dateien sind häufig offen nutzbar, Profile können angepasst werden, Komfortfunktionen funktionieren aber am besten innerhalb des jeweiligen Herstellerökosystems.
Nutzer sollten deshalb zwischen Offenheit und Komfort unterscheiden. Ein Portal kann offen zugänglich sein und trotzdem vor allem darauf ausgelegt sein, die eigenen Drucker attraktiver zu machen.
Warum Thingiverse trotzdem eine wichtige Rolle spielt
Auch ohne formale Partnerschaft ist Thingiverse für Nexprint relevant. Die Plattform existiert seit 2008 und gehört zu den ältesten und größten Modellbibliotheken im 3D-Druck. Viele funktionale Modelle, Ersatzteile und ältere Projekte sind bis heute vor allem dort zu finden.
Thingiverse hatte in den vergangenen Jahren jedoch sichtbar mit technischen Altlasten, einer teilweise schwierigen Suche und einer wenig modernen Benutzererfahrung zu kämpfen. Die Übernahme durch MyMiniFactory könnte deshalb für die gesamte Community relevant werden.
Sollte MyMiniFactory Thingiverse modernisieren und gleichzeitig Nexprint eine funktionierende Metasuche anbieten, könnten Nutzer von beiden Entwicklungen profitieren: Thingiverse würde wieder leichter nutzbar, Nexprint könnte ältere und neue Modellquellen zentral durchsuchen und Designer könnten stärker zwischen offenen Uploads und bezahlten Angeboten differenzieren.
Ob das tatsächlich so funktioniert, hängt jedoch von der konkreten Umsetzung ab. Gerade Lizenzangaben, Quellenverweise und die korrekte Zuordnung der ursprünglichen Designer dürfen bei einer Aggregation nicht untergehen.
Einschätzung
Nexprint ist derzeit vor allem ein strategisches Signal. Elegoo hat erkannt, dass Hardware allein nicht mehr genügt. Wer im Consumer- und Prosumer-Bereich langfristig bestehen will, braucht eine durchgängige Benutzererfahrung.
Die Idee einer plattformübergreifenden Suche ist sinnvoll. Thingiverse, Printables und MakerWorld an einer Stelle durchsuchen zu können, spart Zeit und könnte gerade bei funktionalen Modellen hilfreich sein.
Ob Nexprint tatsächlich zu einer starken Alternative wird, hängt jedoch nicht von der Zahl der gelisteten Modelle ab. Entscheidend sind zuverlässige Suche, transparente Quellen, korrekte Lizenzangaben, gepflegte Profile, gute Moderation und ein wirklich einfacher Weg vom Modell zum Druck.
DJIs Einstieg erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Elegoo den Ausbau ernsthaft verfolgt. Er ist aber keine Garantie für ein überlegenes Produkt.
Fazit
Das neue Elegoo-Modellportal heißt Nexprint. Die Plattform soll eigene Uploads, offizielle Modelle, Druckprofile und eine Slicer-Anbindung mit einer plattformübergreifenden Modellsuche verbinden.
DJI ist als strategischer Investor bei Elegoo eingestiegen und könnte dem Unternehmen beim Ausbau eines moderneren Hardware- und Software-Ökosystems wichtige Impulse geben. Eine direkte technische Mitentwicklung einzelner Produkte ist bislang jedoch nicht belegt.
Thingiverse spielt ebenfalls eine Rolle, aber anders als teilweise dargestellt: Das Portal ist keine nachgewiesene Kooperation mit Elegoo eingegangen. Nexprint soll Thingiverse lediglich gemeinsam mit Printables, MakerWorld und weiteren Quellen durchsuchen können.
Für Nutzer ist das eine interessante Entwicklung. Mehr Wettbewerb bei Modellplattformen, Slicern und Drucker-Ökosystemen ist grundsätzlich positiv. Entscheidend wird aber sein, ob Nexprint nicht nur viele Modelle findet, sondern daraus auch einen wirklich zuverlässigen und übersichtlichen Workflow macht.
Quellen
- Elegoo: Offizielle Ankündigung zur Einführung von Nexprint
- Elegoo: Nexprint Creator Fund über eine Million US-Dollar
- Elegoo: Matrix App für vernetzte Druckersteuerung
- 36Kr: Strategische Finanzierung und Elegoo-Ökosystem
- TechNode: DJI wird Anteilseigner der Elegoo-Muttergesellschaft
- MyMiniFactory: Übernahme von Thingiverse