3D-Druck-News
Elegoo testet Düsenkarussell, Filterlösungen für ASA und automatische Flow-Kalibrierung
Diesmal geht es nicht um den nächsten großen Drucker-Launch, sondern um technische Entwicklungen, die den 3D-Druck langfristig spürbar verbessern könnten: schnellere Materialwechsel, sauberere ASA-Workflows und eine messwertbasierte Flow-Kalibrierung.
Die wichtigsten Meldungen im Überblick
Eine Patentanmeldung beschreibt ein rotierendes System mit mehreren Düsen für schnellere Farb- und Materialwechsel.
Ein externer Filter für geschlossene FDM-Drucker könnte ASA- und ABS-Gerüche reduzieren, braucht aber eine sinnvolle Betriebsstrategie.
Eine Kamera und ein kleines KI-Modell messen Linienbreiten und könnten künftig Flow Ratio und Pressure Advance besser automatisieren.
Superfeet zeigt, wie Consumer-Scanning und additive Fertigung in personalisierte Alltagsprodukte einfließen können.
Elegoo arbeitet an einem rotierenden Düsenwechselsystem
Mehrfarben- und Mehrmaterialdruck gehört aktuell zu den dynamischsten Bereichen im Consumer-3D-Druck. Viele günstige Systeme setzen bisher auf eine einzelne Düse, durch die bei jedem Farbwechsel neues Filament eingeführt wird. Das ist vergleichsweise einfach, erzeugt aber häufig viel Spülmaterial und verlängert die Druckzeit.
Elegoo verfolgt offenbar einen anderen Ansatz. Eine veröffentlichte Patentanmeldung beschreibt ein rotierendes Düsenkarussell, bei dem mehrere Düsen auf einer Scheibe angeordnet sind. Ein Motor dreht jeweils die benötigte Düse in die aktive Position.
Mechanische Führungselemente, Federn und Magnete sollen sicherstellen, dass die ausgewählte Düse exakt mit dem Filamentpfad ausgerichtet wird. Das ist entscheidend: Schon kleine Abweichungen können zu Materialaustritt, Blobs, Verstopfungen oder mechanischen Schäden führen.
Warum das spannend ist
- schnellere Farb- und Materialwechsel
- weniger Filamentabfall
- kompaktere Mechanik als bei einem vollständigen Toolchanger
- getrennte Düsen für unterschiedliche Materialien
- mögliche Kombination verschiedener Düsendurchmesser
Denkbar wäre beispielsweise eine 0,4-mm-Düse für saubere Außenwände und eine 0,8-mm-Düse für schnellen Infill. Auch eine separate Düse für Supportmaterial, TPU oder abrasive Filamente wäre sinnvoll. Gerade bei stark unterschiedlichen Materialien kann eine getrennte Düse deutliche Vorteile bringen, weil nicht bei jedem Wechsel dieselbe Nozzle vollständig geleert und neu konditioniert werden muss.
Trotzdem sollte man die Meldung nicht überbewerten. Ein Patent ist zunächst nur eine technische Absicherung und keine verbindliche Produktankündigung. Offen bleibt, ob Elegoo das System tatsächlich auf den Markt bringt, für welche Druckerklasse es gedacht ist und wie zuverlässig Positionierung, Reinigung und Temperaturmanagement im Alltag funktionieren.
Externer Filter für ASA und ABS im Praxistest
Ein zweites Thema betrifft den Druck mit technischen Filamenten. ASA und ABS sind interessant, weil sie höhere Temperaturbeständigkeit und bessere mechanische Eigenschaften als viele Standardmaterialien bieten. Gleichzeitig entstehen beim Druck Emissionen, die man nicht ignorieren sollte.
Fabbaloo hat den externen Filter Mintion 3D Printer Filtration System V1 getestet. Das Gerät wird an den Abluftausgang eines geschlossenen Druckers angeschlossen und soll Partikel sowie flüchtige organische Verbindungen reduzieren. Ab Werk ist das System unter anderem für Bambu Lab X1C und P1S vorbereitet. Für andere Drucker können Adapter gedruckt oder selbst konstruiert werden.
Besonders interessant ist ein praktisches Detail: Bei ASA und ABS sollte ein externer Filter nicht zwangsläufig während des gesamten Drucks mit maximaler Leistung laufen. Ein hoher Luftdurchsatz kann die Temperatur im Bauraum senken. Genau diese stabile Temperatur ist bei ASA und ABS aber wichtig, um Warping, Spannungsrisse und Delamination zu vermeiden.
Sinnvoller Betrieb bei ASA und ABS
- während des Drucks mit reduzierter Leistung filtern
- nach Druckende stärker absaugen und das Gehäuse kontrolliert entlüften
- Filter regelmäßig wechseln
- Raum zusätzlich lüften und Standort bewusst wählen
Im Test war ohne externen Filter weiterhin ein deutlicher ASA-Geruch wahrnehmbar. Mit dem empfohlenen Betrieb sei der Geruch nicht mehr festzustellen gewesen. Das ist interessant, aber nur eingeschränkt aussagekräftig: Geruch ist kein belastbarer Messwert. Kein wahrnehmbarer Geruch bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche problematischen Emissionen entfernt wurden.
Ein externer Filter kann die Belastung plausibel reduzieren. Er ersetzt aber keine kontrollierte Abluftführung nach außen, keine regelmäßige Raumlüftung und keine durchdachte Arbeitsplatzgestaltung. Für Werkstatt, Hobbyraum oder Studio bleibt das Mintion-System trotzdem interessant, weil es vergleichsweise günstig und einfach nachrüstbar ist.
Automatische Flow-Kalibrierung mit Kamera und KI
Eine Forschungsgruppe aus Chemnitz arbeitet an einem Verfahren, das langfristig einige der heute üblichen Kalibrierungen deutlich vereinfachen könnte. Das Problem ist bekannt: Der Slicer berechnet eine bestimmte Extrusionsmenge, in der Realität folgt der tatsächliche Materialfluss aber nicht perfekt dem Filamentvorschub.
Gerade bei schnellen Geschwindigkeitsänderungen entstehen typische Fehler: Unterextrusion beim Beschleunigen, Überextrusion beim Abbremsen, ungleichmäßige Linienbreite, unsaubere Ecken, Maßabweichungen und schwankende Oberflächenqualität. Pressure Advance kann einen Teil dieser Effekte kompensieren, basiert aber weiterhin auf vereinfachten Annahmen und muss häufig manuell angepasst werden.
Die Chemnitzer Forschungsgruppe montierte eine günstige Mikroskopkamera an einem Sovol-Dual-Extruder. Anschließend wurden Testlinien gedruckt und optisch vermessen. Ein kleines neuronales Netz analysierte die Bilder und bestimmte daraus die tatsächliche Linienbreite. Bei einer Zielbreite von 500 Mikrometern lag die durchschnittliche Standardabweichung laut Bericht unter 20 Mikrometern.
Was künftig automatisiert werden könnte
- Flow Ratio
- Pressure Advance
- materialabhängige Prime-Mengen
- Teile der Retraction-Abstimmung
- Anpassungen bei wechselnden Düsendurchmessern
- Optimierung bei TPU und abrasiven Filamenten
Noch handelt es sich nicht um eine vollständig geschlossene Echtzeitregelung während eines normalen Druckauftrags. Die Kamera vermisst zunächst gezielt gedruckte Testlinien. Der Ansatz zeigt aber eine realistische Entwicklungsrichtung: Künftige Drucker könnten Materialien und Hotends automatisiert charakterisieren und daraus belastbare Parameter ableiten.
Blick über den Tellerrand: Individuelle Einlagen per iPhone-Scan
Eine weitere Meldung zeigt, wie sich 3D-Scanning und additive Fertigung zunehmend in normale Kaufprozesse integrieren lassen. Der Anbieter Superfeet erweitert seine Plattform ME3D um eine Scan-Funktion für individuell angepasste Einlegesohlen. Nutzer können ihre Füße mit einem neueren iPhone direkt über eine Webseite erfassen. Eine separate App ist nicht notwendig.
Aus den biometrischen Daten entsteht ein persönliches Fußprofil. Anschließend wird eine individuelle Stützstruktur gefertigt, deren Geometrie das Fußgewölbe abbildet. Die Materialstärke wird zusätzlich an die Körpermasse angepasst.
Für klassische Maker ist das zunächst nur eine Randnotiz. Interessant ist aber der Workflow: Scan mit Consumer-Hardware, automatisierte Auswertung, individuelle Geometrie, additive Fertigung und Versand eines personalisierten Produkts. Genau in solchen Bereichen spielt 3D-Druck seine Stärken aus.
Einordnung
Die spannendste Meldung kommt diesmal von Elegoo. Das rotierende Düsenkarussell ist noch kein fertiges Produkt, zeigt aber deutlich, wohin sich der Markt bewegt: Mehrfarben- und Mehrmaterialdruck soll schneller, sauberer und materialsparender werden.
Der Mintion-Filter adressiert dagegen ein unmittelbares Praxisproblem. Wer regelmäßig ASA oder ABS druckt, sollte sich mit Abluft, Filterung und Bauraumtemperatur beschäftigen. Ein externer Filter kann sinnvoll sein, ist aber kein Ersatz für eine insgesamt durchdachte Arbeitsplatzgestaltung.
Die Forschung aus Chemnitz ist weniger spektakulär, könnte langfristig aber besonders wichtig werden. Eine automatisierte, kameragestützte Kalibrierung des tatsächlichen Materialflusses würde genau dort ansetzen, wo moderne Drucker noch immer unnötig viel Handarbeit erfordern.
Kurzfazit
Fortschritt im 3D-Druck besteht nicht nur aus größeren Bauräumen und höheren Geschwindigkeiten. Entscheidend werden zunehmend bessere Materialwechsel, sauberere Workflows und intelligentere Prozesskontrolle.
Elegoo, Mintion und die Chemnitzer Forschungsgruppe zeigen jeweils aus einer anderen Richtung, wo die nächsten Verbesserungen liegen könnten: weniger Abfall beim Multimaterialdruck, weniger Belastung beim technischen FDM-Druck und weniger manuelle Kalibrierarbeit durch echte Messdaten.