3D-Druck-News
Prusa INDX startet praktisch, HOZO NeoBlade und neue Forschungsansätze
Diese Runde zeigt sehr gut, wie breit sich der 3D-Druck gerade entwickelt: Prusa bringt INDX in die reale Nutzungsphase, HOZO zeigt ein Werkzeug für die Nachbearbeitung, CU Boulder arbeitet an druckbarer Erde und Revopoint bringt den POP 4 regulär in den Shop.
Die wichtigsten Meldungen im Überblick
Firmware 6.6.0 bringt erstmals vollständige Unterstützung für bis zu acht Tools.
Ein kabelloser Ultraschall-Cutter soll Supports, Resin-Modelle und feine Schnitte erleichtern.
Ein seetangbasierter Zusatzstoff soll Erde und Aushubmaterial besser 3D-druckbar machen.
Revopoint POP 4 ist regulär verfügbar, DLA nutzt FDM für Vorrichtungen und CF3D bleibt ein Industriethema.
Prusa INDX: Firmware 6.6.0 bringt vollständige Toolchanger-Unterstützung
Prusa hat in der Prusa CORE One/+ INDX Firmware-Historie die Version 6.6.0 gelistet. Das ist die erste Firmware-Version mit vollständiger INDX-Unterstützung.
Laut Prusa umfasst die Firmware automatische Toolchanges für bis zu acht Tools, kontaktlose Induktionsheizung der Düsen, kontinuierliche Nozzle-Presence-Erkennung, einen kontaktlosen Tool-Offset-Sensor, geführte INDX-Kalibrierungen für Docks, Tool-Offsets und Nozzle Cleaner sowie ein neues Tool-Mapping für bis zu acht Werkzeuge.
Das ist die stärkste Meldung dieser Runde. INDX war bereits angekündigt, aber Firmware 6.6.0 zeigt: Das System kommt in die reale Nutzungsphase.
Vollständiger Support, aber noch bekannte Baustellen
Wichtig ist auch die Liste bekannter Probleme. Prusa nennt unter anderem Pick- und Park-Fehler, Parken in belegten Docks, Single-Tool-Autoload, flexible Materialien, spezielle Materialien, spontane INDX-Head-Resets, Phase-Stepping- und Input-Shaper-Kalibrierungen sowie Filament-Stuck-Detection.
Das ist keine Kleinigkeit. Es zeigt, dass INDX zwar praktisch startet, aber noch kein komplett ausgereiftes „einbauen und vergessen“-System ist.
Gerade bei einem System mit bis zu acht Werkzeugen ist das nachvollziehbar. Toolchanger sind mechanisch, thermisch und softwareseitig deutlich anspruchsvoller als klassische Einzeldüsen-Drucker. Entscheidend wird sein, wie schnell Prusa die bekannten Punkte verbessert und wie robust INDX im Alltag wird.
HOZO NeoBlade: Ultraschall-Cutter für 3D-Druck-Nachbearbeitung
Der HOZO NeoBlade ist ein kabelloser Ultraschall-Cutter, der für 3D-Druckteile, Resin-Modelle, Leder, Holz und DIY-Arbeiten beworben wird. HOZO nennt einen 40.000-Hz-Transducer, bis zu 40 W adaptive Cutting Power und zwei Modi: einen präzisen Trigger-Modus und einen kontinuierlichen Modus.
Für 3D-Druck ist das vor allem bei Support-Entfernung, Resin-Modellen, Miniaturen, feinen Konturen und schwierigen Nachbearbeitungsstellen spannend.
Das ist keine klassische Drucker-News, aber sehr praxisnah. Viele Nutzer investieren viel in Drucker, vernachlässigen aber Werkzeuge für saubere Nachbearbeitung. Ein Ultraschall-Cutter kann bei Supports, Modellbau und feinen Schnitten hilfreich sein.
Kein Ersatz für gute Support-Strategien
Der NeoBlade ersetzt keine gute Support-Strategie im Slicer. Er ersetzt auch nicht vollständig Zange, Skalpell, Schleifen oder saubere Modellvorbereitung.
Seine Stärke liegt eher dort, wo klassische Werkzeuge an Grenzen stoßen: enge Bereiche, dünne Supports, fragile Resin-Teile oder Modellbauarbeiten mit feinen Konturen.
Für Nutzer, die regelmäßig Miniaturen, Resin-Modelle oder aufwendige Bauteile nachbearbeiten, kann so ein Werkzeug deutlich interessanter sein als für jemanden, der hauptsächlich einfache FDM-Funktionsteile druckt.
CU Boulder: Seetang-Zusatz macht Erde 3D-druckbarer
Forschende der University of Colorado Boulder berichten über einen seetangbasierten Zusatzstoff, der natürliche Erdmischungen wie Ton und Sand besser für den 3D-Druck nutzbar machen soll.
Das Ziel ist, vor Ort anfallende Erde beziehungsweise Aushubmaterial wiederzuverwenden und dadurch den ökologischen Fußabdruck im Bauwesen zu reduzieren.
Sekundärberichte nennen konkret Natriumalginat als entscheidenden Zusatz. Schon geringe Mengen sollen das Material besser extrudierbar machen. Zahlen wie höhere Druckfestigkeit oder schnellerer Druck sollte man jedoch sauber mit der jeweiligen Quelle einordnen.
Für klassische Desktop-Nutzer ist das ein Forschungsausblick, kein Alltagsthema. Inhaltlich ist es trotzdem stark: Es geht um lokale Materialien, weniger Abfall und Baustoffe, die nicht auf klassischem Zement basieren.
Revopoint POP 4 ist regulär im Shop angekommen
Revopoint hat ein Prime Event vom 22. bis 28. Juni 2026 angekündigt. Der eigentlich interessante Punkt ist nicht der Sale selbst, sondern der Hinweis, dass der POP 4 nach der Crowdfunding-Kampagne jetzt offiziell auf der Revopoint-Webseite verfügbar ist.
Revopoint nennt außerdem Rabatte für POP 4, MetroY Ultra und Trackit SR. Den POP 4 hatten wir bereits behandelt. Deshalb ist das eher ein kurzer Scanner-Nachtrag als eine neue Hauptmeldung.
Für Nutzer, die sich mit Reverse Engineering, Ersatzteilen oder Scan-to-CAD-Workflows beschäftigen, bleibt der offizielle Shop-Status trotzdem erwähnenswert.
DLA Columbus: FDM-Druck verkürzt Vorrichtungsbau deutlich
Die Defense Logistics Agency berichtet, dass ihr Product Test Center in Columbus FDM-Druck nutzt, um Testvorrichtungen schneller herzustellen. In der offiziellen DLA-Meldung geht es um 3D-gedruckte Vorrichtungen für Mess- und Prüfprozesse.
Das ist kein Consumer-Thema, aber als Beispiel für funktionalen FDM-Einsatz sehr gut. Der größte Nutzen von FDM liegt oft nicht in fertigen Endprodukten, sondern in individuellen Vorrichtungen, Adaptern, Prüfmitteln und Werkstatthelfern.
Genau daraus lässt sich auch für Maker und kleine Werkstätten etwas ableiten: Ein 3D-Drucker muss nicht immer das finale Produkt herstellen. Oft spart er am meisten Zeit, wenn er den eigenen Arbeitsprozess verbessert.
Continuous Composites: US-Army-Vertrag für CF3D-Technologie
Continuous Composites meldet einen mehrjährigen Vertrag im Umfeld der U.S. Army, um die eigene CF3D-Technologie für anspruchsvolle Industrie- und Defense-Anwendungen weiterzuentwickeln.
Für klassische Consumer-Nutzer ist das weit weg. Als Blick über den Tellerrand zeigt es aber, dass kontinuierliche Faserverstärkung im 3D-Druck zunehmend in ernsthaften Industrieanwendungen evaluiert wird.
Das Thema bleibt spannend, weil kontinuierliche Fasern Bauteile ermöglichen können, die sich mechanisch deutlich von normalen FDM-Drucken unterscheiden. Gleichzeitig sind solche Systeme komplex, teuer und stark an kontrollierte Prozesse gebunden.
Einordnung
Die wichtigste Meldung dieser Runde ist klar Prusa INDX. Firmware 6.6.0 zeigt, dass das System nicht mehr nur angekündigt ist, sondern praktisch startet. Gleichzeitig macht die Known-Issues-Liste deutlich, dass frühe Nutzer mit Kinderkrankheiten rechnen müssen.
Der HOZO NeoBlade ist dagegen ein sehr praxisnahes Werkzeugthema. Gute Nachbearbeitung bleibt ein unterschätzter Teil des 3D-Druck-Workflows.
CU Boulder zeigt, dass additive Fertigung auch im Baubereich stärker in Richtung lokale, nachhaltigere Materialien denkt. Revopoint, DLA und Continuous Composites zeigen zusätzlich, wie breit das Feld inzwischen geworden ist: von 3D-Scanning über Werkstattvorrichtungen bis zu kontinuierlicher Faserverstärkung.
Fazit
Die aktuellen Meldungen zeigen sehr gut, dass Fortschritt im 3D-Druck nicht an einer einzigen Stelle entsteht.
Prusa INDX steht für komplexere Multitool-Systeme, HOZO NeoBlade für bessere Nachbearbeitung, CU Boulder für nachhaltigere Baustoffansätze und DLA für den praktischen Nutzen von FDM in Werkstätten und Prüfprozessen.
Am Ende zählt nicht nur, welcher Drucker schneller oder bunter druckt. Entscheidend wird immer stärker, wie gut Hardware, Firmware, Material, Werkzeug und Workflow zusammenspielen.
Quellen und offizielle Verweise
- Prusa Knowledge Base: CORE One/+ INDX Changelog
- HOZO: NeoBlade Produktseite
- CU Boulder Today: Seaweed-based ingredient for 3D-printed walls
- Revopoint: Prime Event und POP 4 Shop-Status
- Defense Logistics Agency: Product Test Center supports readiness with 3D printing
- Continuous Composites: U.S. Army contract for CF3D technology