Prusament ColorMix, Creality K3, Anycubic Max V2 und Flashforge CJ270
Diese Runde reicht von optischer Farbmischung im FDM-Druck über zwei neue Groß- und Mehrmaterialdrucker bis zum ungewöhnlich kompakten Vollfarb-Material-Jetting – plus einem praktischen Werkzeug für problematische 3MF-Dateien.
Die Themen im Überblick
Prusament PLA ColorMix: mehr Farbtöne aus wenigen Spulen

Prusa Research hat für das im Mai vorgestellte, quelloffene ColorMix-Verfahren eigene PLA-Filamente veröffentlicht. Fünf halbtransparente Farben – Cyan, Magenta, Gelb, Weiß und Schwarz – sollen sich durch abwechselnde Schichten optisch mischen. Hinzu kommen Gold- und Silber-Glitter, die weitere Helligkeits- und Grauabstufungen ermöglichen. Daneben startet eine stärker deckende CMYK-Reihe.
Mit CMYW auf einem Vierfarbsystem entstehen nach Herstellerangaben bereits zahlreiche Zwischentöne. Eine fünfte schwarze Spule erweitert die Palette auf 45 Farbtöne. Das vollständige Siebener-Set kombiniert fünf ColorMix-Farben mit zwei Glitterspulen. Prusa nennt 32,99 Euro einschließlich Mehrwertsteuer pro Kilogramm sowie 180,49 Euro einschließlich Mehrwertsteuer für das Siebener-Bundle zum Start.
Farbmischung kostet Zeit und kann Material kosten
Das Verfahren ist nicht auf Prusa-Drucker beschränkt und kann grundsätzlich mit Mehrfarbdruckern arbeiten. Besonders sinnvoll ist es aber auf Werkzeugwechslern, weil die Farbe häufig von Schicht zu Schicht wechselt. Ein Einzeldüsensystem muss dabei wiederholt laden und spülen. Wer nur den Preis der sieben Rollen betrachtet, unterschätzt deshalb möglicherweise Purge-Abfall und Laufzeit.
Für saubere Übergänge empfiehlt Prusa höchstens 0,15 Millimeter Schichthöhe sowie Gyroid-Infill mit fünf bis zehn Prozent. Senkrechte Flächen mischen optisch am gleichmäßigsten. Sichtbares Infill, Blickwinkel, Wandstärke und Beleuchtung können das Ergebnis dennoch stark verändern.
Offizielle Quellen: Prusa zur Einführung von PLA ColorMix und die offizielle Produktseite des Bundles.
Creality K3: KliTek wechselt die Düse statt nur das Filament

Creality hat die Produktseite des K3 veröffentlicht und damit den ersten konkreten Drucker für sein KliTek-System benannt. Bis zu vier Düsen stehen jeweils mit einem eigenen Filamentkanal bereit. Beim Materialwechsel wird die Einheit aus Düse, Hotend und Filamentführung getauscht; ein gemeinsames Hotend muss dadurch deutlich weniger gespült werden.
Der Hersteller nennt 4,8 Sekunden für den Düsenwechsel und rund 15 Sekunden für einen vollständigen Farb- oder Materialwechsel. Die Position soll danach in allen drei Achsen mit höchstens 25 Mikrometern Abweichung wieder erreicht werden. Zwölf der insgesamt 37 Sensoren überwachen laut Creality den Wechselprozess. Das sind Labor- und Herstellerangaben, keine unabhängigen Dauertests.
Der Bauraum misst 260 × 260 × 260 Millimeter. Angegeben sind maximal 500 Millimeter pro Sekunde, 20.000 Millimeter pro Quadratsekunde Beschleunigung, bis zu 300 Grad Celsius an der Düse und 100 Grad Celsius am Druckbett. Unterschiedliche Düsendurchmesser von 0,2 bis 0,8 Millimeter sollen sich in einem Projekt kombinieren lassen.
Zwischen Werkzeugwechsler und Filamentwechsler
KliTek bewegt weniger Masse und Mechanik als ein kompletter Werkzeugkopf-Wechsler, hält aber anders als klassische Einzeldüsensysteme mehrere heiße Enden bereit. Das kann Spülabfall reduzieren und unterschiedliche Düsendurchmesser praktikabler machen. Gleichzeitig entstehen neue Verschleißstellen an Aufnahme, Kontakten und Parkpositionen. Interessant wird deshalb nicht nur die Wechselzeit, sondern vor allem die Zuverlässigkeit nach vielen tausend Zyklen.
Offizielle Quelle: Creality K3 Produktseite.
Anycubic Kobra 3 Max V2: Großformat mit überarbeitetem Hotend

Anycubic bietet den Kobra 3 Max V2 im Early-Bird-Vorverkauf an. Der offene Bettschubser behält den großen Bauraum von 420 × 420 × 500 Millimetern, erhält aber unter anderem ein Vollmetall-Hotend mit gehärteter Stahldüse, eine werkzeuglos wechselbare Hotend-Einheit, überarbeitete Motoren und LeviQ-3.0-Nivellierung. Als maximale Druckgeschwindigkeit nennt Anycubic 600 Millimeter pro Sekunde.
Die US-Produktseite unterscheidet mehrere Varianten: 429 US-Dollar für den Drucker ohne ACE 2 Pro, 569 US-Dollar für das Vierfarb-Combo und 788 US-Dollar für eine Achtfarben-Konfiguration mit zusätzlichem ACE 2 Pro. Genaues Angebot, Steuer, Netzstecker, Versandfenster und Endpreis hängen von der Region ab. Für andere Regionen nennt die Seite teilweise den 1. bis 10. Oktober als Lieferfenster.
Das ACE 2 Pro trocknet – aber die Konfiguration muss genau gelesen werden
Das ACE 2 Pro soll während des Druckens bis 65 Grad Celsius trocknen und Temperatur sowie Luftfeuchtigkeit überwachen. Automatisches Nachladen und Filamenterkennung gehören ebenfalls zu den Herstellerangaben. Letztere setzt laut Produktseite eine Internetverbindung und proprietär gekennzeichnetes Anycubic-Filament voraus.
Für kleine Druckdienstleister ist das große Bett zugleich Chance und Risiko. Viele Teile pro Durchlauf senken Rüstzeit, ein Fehlschlag kurz vor Ende vernichtet aber den gesamten Batch. Stellfläche, Bettaufheizung, Einhausung für zugempfindliche Materialien und reale Stückkosten sollten vor einer Serienkalkulation getestet werden.
Offizielle Quelle: Anycubic Kobra 3 Max V2 Combo.
Flashforge CJ270: Vollfarb-Material-Jetting für 3.999 US-Dollar

Flashforge hat den CJ270 in den USA für 3.999 US-Dollar zur Bestellung freigegeben. Anders als FDM-Mehrfarbdrucker arbeitet das Gerät mit Material Jetting und UV-Härtung. Sechs Basismaterialien in Cyan, Magenta, Gelb, Schwarz, Weiß und Transparent werden schichtweise kombiniert; ein siebtes, wasserlösliches Material erzeugt Stützstrukturen.
Der Hersteller wirbt mit mehr als zehn Millionen Farbkombinationen, sieben Druckköpfen und einer Schichtdicke von sieben Mikrometern. Glatte Farbverläufe, Hauttöne und feine Oberflächengrafiken sollen ohne nachträgliches Lackieren entstehen. Für die ersten 100 Einheiten nennt Flashforge den 15. Oktober als Versandtermin. Regionale Verfügbarkeit außerhalb der USA ist auf der betrachteten Seite nicht eindeutig ausgewiesen.
Der Maschinenpreis ist nur der Anfang
Für Figuren, Architekturmodelle, Lehrmittel und Präsentationsmuster ist echtes Vollfarb-Material-Jetting spannend. Für einen kleinen Betrieb entscheiden aber zusätzlich Materialpreise, Mindestverbrauch, Lagerfähigkeit, Reinigungszyklen, Ersatzdruckköpfe, Farbprofile, Supportauswaschung und Servicezugang über die Wirtschaftlichkeit. Dazu liefert die Verkaufsseite noch kein vollständiges Gesamtbild.
Offizielle Quelle: Flashforge CJ270 Produktseite.
3MF Sanitizer: MakerWorld-Dateien für andere Slicer aufbereiten
TechJeeper Designs hat ein kostenlos nutzbares Browser-Werkzeug veröffentlicht, das 3MF-Dateien aus Bambu Studio und MakerWorld für Cura, PrusaSlicer und Anycubic-Slicer aufbereitet. Der Entwickler verspricht, bemalte Flächen, die vollständige Farbpalette, zusammengehörende Baugruppen sowie Einstellungen für Wände, Extrusionsbreite, Infill und Stützen zu erhalten.
Die Verarbeitung soll vollständig im Browser stattfinden, ohne die Datei auf einen Server hochzuladen. Eine drehbare Vorschau stellt das ursprüngliche und das bereinigte Dreiecksnetz gegenüber. Das ist sinnvoll, weil ein erfolgreich geöffneter Container noch nicht beweist, dass Geometrie, Plattenzuordnung und Farbflächen unverändert sind.
Das GitHub-Projekt dokumentiert mehrere Korrekturen vom 6. und 7. September, darunter den Erhalt von Plattenzuordnungen, bemalten Flächen und Baugruppen sowie Anpassungen an Einstellungen, die OrcaSlicer ablehnt. Der Quellcode ist öffentlich einsehbar. Eine klar ausgezeichnete Versionsfreigabe, systematische Kompatibilitätsmatrix oder belastbare Tests mit ungewöhnlichen 3MF-Dateien sind derzeit jedoch nicht dokumentiert.
Konvertieren bedeutet nicht neu lizenzieren
Wer Dateien gewerblich nutzt, sollte Originaldatei, Modellseite, Lizenztext und Kaufbeleg unverändert archivieren. Das technische Bereinigen eines 3MF-Containers erweitert weder eine private Lizenz noch erlaubt es automatisch den Verkauf physischer Drucke. Nach der Konvertierung sollten Maße, Teilezahl, Ausrichtung, Farbzuordnung und Slicerparameter vor dem ersten bezahlten Auftrag kontrolliert werden.
Originalquellen: 3MF Sanitizer und die Commit-Historie auf GitHub.
Fazit: Mehr Farbe – aber sehr unterschiedliche Wege
Prusa mischt Farbtöne optisch aus wechselnden Filamentschichten, Creality und Anycubic setzen auf getrennte Filamentkanäle und Flashforge geht mit Material Jetting einen komplett anderen Weg. Die Ergebnisse können ähnlich bunt aussehen, technisch und wirtschaftlich liegen die Verfahren jedoch weit auseinander.
Für Maker zählen deshalb nicht nur Farbenzahl und Maximalgeschwindigkeit. Spülabfall, Druckzeit, Verbrauchsmaterial, Wartung und reproduzierbare Ergebnisse entscheiden darüber, ob ein System im Alltag trägt. Der 3MF Sanitizer erinnert zusätzlich daran, dass selbst eine gute Hardware wenig hilft, wenn Dateiformate und Slicer nicht sauber zusammenspielen.
Gewerbliche Nutzer sollten bei allen fünf Themen die zweite Ebene mitdenken: Modell- und Bildlizenzen, dokumentierte Testdrucke, regionale Preise, Ersatzteilversorgung und die tatsächlichen Prozesskosten. Erst daraus wird aus einer spannenden Funktion ein belastbares Angebot.
