PrusaSlicer 3.0, INDX, Bambu-Sicherheit und neue Verpackungsregeln
Diese Runde verbindet große Software- und Hardwareänderungen mit zwei Forschungsprojekten – und einer Rechtsänderung, die für kleine Maker-Shops deutlich wichtiger sein kann als das nächste Druckerdatenblatt.
Die Themen im Überblick
PrusaSlicer 3.0: großer Umbau statt kleiner Versionssprung

Prusa Research hat die erste öffentliche Preview von PrusaSlicer 3.0 bereitgestellt. Nach Herstellerangaben wurde nicht nur die Oberfläche neu gezeichnet: Projekte, Druckbetten und Profile wurden strukturell umgebaut. Mehrere Druckbetten können unterschiedliche Konfigurationen tragen, unabhängig gesliced und parallel verarbeitet werden. Zusätzlich lassen sich mehrere Projekte in Tabs öffnen, während lokale Sicherungen offene Arbeit nach einem Absturz wiederherstellen sollen.
Besonders wichtig für moderne Werkzeugwechsler ist das neue, mehrschichtige Profilsystem. Unterschiedliche Düsen, Werkzeuge und Drucker lassen sich innerhalb eines Projekts flexibler beschreiben. Das Profilformat wechselt von INI zu YAML; vorhandene 3MF-Projekte aus der 2.x-Reihe sollen beim Öffnen automatisch zugeordnet werden. Eine sichere Plugin-Architektur ist ebenfalls Teil des Neuaufbaus.
Warum das für Maker interessant ist
Viele Slicer sind über Jahre um neue Druckerklassen, Mehrfarbsysteme und Werkzeugwechsler erweitert worden. Dabei wächst oft die Zahl der Sonderfälle. Prusa versucht nun, die Grundlage an heutige Arbeitsabläufe anzupassen. Für Nutzer mit mehreren Druckern oder unterschiedlichen Düsen kann das Projekte übersichtlicher machen. Auch für kleine Druckfarmen sind getrennt konfigurierbare Betten und paralleles Slicing praktisch.
Offizielle Quelle: Prusa Research zur PrusaSlicer-3.0-Preview.
Prusa pflegt die Druckerflotte – und bringt INDX regulär in den Markt

Prusa hat den XL zum XL+, den CORE One L zum CORE One L+ und den CORE One+ zur zweiten Generation weiterentwickelt. Je nach Modell kommen unter anderem GT1.5-Riemen, Düsenwischer, High-Flow-Düsen und beim XL+ eine 360-Grad-Bauteilkühlung hinzu. Beim CORE One+ Gen 2 soll eine überarbeitete Heizbettbefestigung die Wartezeit vor dem Druck reduzieren; bei Bett-Temperaturen bis 85 °C entfällt laut Prusa der bisherige Schritt zur Wärmeaufnahme.
Die aktualisierten Geräte wurden zum gleichen Preis wie ihre Vorgänger angekündigt. Noch nicht ausgelieferte Bestellungen sollten automatisch auf die entsprechende neue Version wechseln. Vollständige Upgrade-Kits und Einzelteile werden schrittweise angeboten – ein Ansatz, der vorhandene Maschinen nicht sofort technisch abschreibt.
Am 20. August meldete Prusa zusätzlich den Versandstart der ersten regulären INDX-Umrüstsätze. Gleichzeitig öffneten Bestellungen für komplette CORE-One+-Gen-2-Drucker mit vier oder acht unabhängigen Werkzeugen. Am 27. August wurden auch Umrüstsätze und Komplettdrucker für den CORE One L+ ergänzt. Prusa nennt rund zwölf Sekunden für einen vollständigen Werkzeugwechsel und 13 Milligramm Material zum Vorfüllen; beides sind Herstellerangaben, die sich im unabhängigen Alltagstest noch bewähren müssen.
Weniger Spülmaterial – aber mehr Mechanik
Ein Werkzeugwechsler kann Farben, Materialien und Düsendurchmesser kombinieren, ohne bei jedem Wechsel ein gemeinsames Hotend leerzuspülen. Das ist für Mehrmaterialdruck und lösliche Stützen grundsätzlich attraktiv. Gleichzeitig steigen Zahl der Extruder, Dockingstellen und Kalibrierpunkte. Wer gewerblich druckt, sollte daher nicht nur Filamentabfall, sondern auch Anschaffung, Wartung, Ersatzdüsen, Rüstzeit und tatsächliche Prozesssicherheit kalkulieren.
Offizielle Quellen: Prusa zur Modellpflege 2026 und Prusa zum INDX-Versand- und Bestellstart.
Bambu Lab macht Sicherheitsupdates sichtbarer

Bambu Lab hat knapp ein Jahr nach dem Start seines Trust Centers eine Bilanz zur Produktsicherheit veröffentlicht. Das Unternehmen nennt mehr als 100 beteiligte Sicherheitsexperten und einzelne Bug-Bounty-Auszahlungen von bis zu 52.000 US-Dollar. Neu hervorgehoben wird eine öffentliche Seite, auf der konkrete Sicherheitskorrekturen und deren Zeitpunkt dokumentiert werden sollen.
Bambu erklärt außerdem, ISO/IEC 27001, ISO/IEC 27701 und TRUSTe Enterprise Privacy weiterzuführen und ETSI EN 303 645 umgesetzt zu haben. Für Europa verweist der Hersteller auf Anforderungen aus Artikel 3.3(d) und 3.3(e) der Funkanlagenrichtlinie. Das sind Angaben des Herstellers; sie belegen ein aufgebautes Sicherheitsverfahren, aber nicht, dass einzelne Geräte oder Cloud-Komponenten frei von Schwachstellen sind.
Warum das für vernetzte Drucker zählt
Moderne Drucker enthalten Kameras, WLAN, Cloudzugriff, Konten und Fernsteuerung. Dadurch wird Cybersicherheit Teil der Produktqualität. Ein öffentliches Updateprotokoll hilft Nutzern und Firmen, bekannte Lücken und Korrekturen nachzuvollziehen. Ebenso wichtig bleiben lokale Betriebsarten, nachvollziehbare Updatewege, lange Versorgung mit Sicherheitsupdates und eine saubere Trennung zwischen Komfortfunktionen und zwingenden Cloud-Abhängigkeiten.
Offizielle Quelle: Bambu Lab zur Entwicklung des Sicherheitsprogramms.
Heidelberger Forschung: ausgehärtetes Photopolymer wieder zerlegen

Ein Team um Eva Blasco an der Universität Heidelberg hat ein metastabiles Polymer für lichtbasierte 3D-Druckverfahren entwickelt. Eine definierte chemische Stelle wirkt wie ein Schloss: Trifft der passende chemische Auslöser darauf, zerfällt die lange Polymerkette nach Angaben der Universität bei Raumtemperatur innerhalb von Sekunden in ihre molekularen Bausteine.
Im Versuch wurden komplexe Strukturen mit Details im Mikrometerbereich hergestellt. Die zurückgewonnenen Bausteine ließen sich erneut zu Polymer umsetzen; spektroskopische Analysen zeigten laut Veröffentlichung dieselbe chemische Zusammensetzung wie beim Ausgangsmaterial. Beim erneuten Druck habe das Material die gleichen Eigenschaften wie im ersten Zyklus gezeigt.
Warum das für Resin-Druck interessant ist
Ausgehärtete Photopolymere sind normalerweise schwer stofflich zu recyceln, weil ihre vernetzte Struktur dauerhaft angelegt ist. Ein kontrolliert rückbaubares Material könnte langfristig Abfall reduzieren und hochwertige Ausgangsstoffe zurückgewinnen. Das wäre besonders bei präzisen Bauteilen, Mikrostrukturen und spezialisierten DLP-Prozessen interessant.
Originalquellen: Universität Heidelberg und die Studie Metastable Polymers for Circular 3D Printing.
MIT Bifur-circuits: gedruckte Module, die ihre Form erkennen

MIT-Forschende haben mit den „Bifur-circuits“ modulare mechanische Metamaterialien vorgestellt. Die 3D-gedruckten Bausteine lassen sich in unterschiedlichen Orientierungen verbinden. Integrierte leitfähige Pfade halten den elektrischen Kontakt auch dann aufrecht, wenn die Struktur gedrückt, gestreckt, verdreht oder gebogen wird.
Je nach Verbindung entsteht ein charakteristischer Schaltkreis. Dadurch kann eine Struktur erkennen, welche Form sie gerade angenommen hat. Als Demonstrator entstand unter anderem ein Möbelobjekt, das sich zwischen Stuhl, Tisch mit Stauraum und flacher Lagerform umkonfigurieren lässt und seinen Zustand an eine Anzeige übermittelt.
Mehr als ein flexibles Gelenk
Interessant ist die Verbindung von Mechanik, elektrischer Leitfähigkeit und modularer Fertigung. Denkbare Einsatzfelder reichen laut MIT von anpassbaren Greifern und Hilfsmitteln bis zu Antennen, die ihre Geometrie und damit ihre Eigenschaften verändern. Für Maker zeigt die Arbeit, dass Funktionsintegration nicht zwingend aus nachträglich verkabelten starren Teilen bestehen muss.
Originalquellen: MIT News und die Projektseite der MIT HCI Engineering Group.
PPWR: neue Verpackungsregeln treffen auch kleine Maker-Shops

Die EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle, kurz PPWR, gilt grundsätzlich seit dem 12. August 2026. Sie schafft einen EU-weiten Rahmen, führt ihre materiellen Anforderungen aber stufenweise ein. Sofort relevant ist unter anderem die Beschränkung bestimmter PFAS in Lebensmittelkontaktverpackungen. Weitere Vorgaben – etwa harmonisierte Kennzeichnungen sowie Anforderungen an Leerraum, Recyclingfähigkeit und Rezyklatanteile – greifen nach Angaben der Kommission erst 2028 oder 2030.
Für Deutschland beschreibt die Zentrale Stelle Verpackungsregister eine neue Trennung zwischen „Hersteller“ und „Produzent“. Hersteller tragen Verantwortung für die Konformität der Verpackung, während Produzenten die erweiterte Herstellerverantwortung im Staat übernehmen, in dem die Verpackung zu Abfall wird. Registrierung, Systembeteiligung und Datenmeldungen bleiben für systembeteiligungspflichtige Verpackungen grundsätzlich erhalten; geändert hat sich teilweise, wer verantwortlich ist.
Eigenmarken und direkte Importe genau prüfen
Wer Produkte unter eigenem Namen oder eigener Marke verpacken lässt, kann selbst als Hersteller gelten. Für Kleinstunternehmen nennt die Zentrale Stelle eine begrenzte Ausnahme, wenn der Lieferant des verpackten Produkts im selben Mitgliedstaat sitzt. Bei Importen ohne inländischen Zwischenhändler kann die Produzentenverantwortung dagegen beim deutschen Händler liegen. Betroffene Shops sollten Verpackungsarten, Marken, Lieferketten, Materialgruppen und Gewichte dokumentieren und ihre Angaben in LUCID sowie beim dualen System abgleichen.
Wirtschaftliche Bedeutung
Für einen kleinen 3D-Druck-Shop können zusätzliche Dokumentation, neue Daten vom Verpackungslieferanten, angepasste Systembeteiligungsmengen und gegebenenfalls Konformitätsunterlagen Arbeitszeit und Kosten verursachen. Gleichzeitig können standardisierte EU-Regeln grenzüberschreitende Prozesse vereinfachen. Ob ein Produkt unter diesen Bedingungen wirtschaftlich bleibt, lässt sich ohne eine individuelle Kalkulation nicht abschließend beurteilen.
Offizielle Quellen: Europäische Kommission, Verordnung (EU) 2025/40, Zentrale Stelle Verpackungsregister: Änderungen zum 12. August und Hinweise zu Eigenmarken und Importen.
Fazit: Fortschritt steckt diesmal in Grundlagen und Pflichten
Prusa baut Software und Hardware gleichzeitig um: Der neue Slicer soll Mehrdrucker- und Mehrwerkzeug-Projekte besser abbilden, während INDX den Werkzeugwechsel aus der Vorserie in reguläre Konfigurationen bringt. Bambu Lab zeigt wiederum, dass bei vernetzten Druckern nicht nur Mechanik und Druckqualität, sondern auch Sicherheitsprozesse und nachvollziehbare Updates zum Produkt gehören.
Die Forschung aus Heidelberg und vom MIT ist noch weit von einem normalen Kaufprodukt entfernt. Beide Arbeiten zeigen aber konkrete Richtungen: Photopolymere könnten künftig chemisch kreislauffähiger werden, und gedruckte Strukturen könnten Mechanik, Leitfähigkeit und Zustandsmessung enger verbinden.
Für kleine Maker-Shops ist die PPWR dennoch das dringendste Thema dieser Runde. Wer verpackte Produkte verkauft, Eigenmarken führt oder direkt importiert, sollte seine Rolle und Dokumentation jetzt prüfen. CGTraders neues Abo kann digitale Beschaffung vereinfachen, macht aus einem 3D-Asset aber weder automatisch eine druckfertige Datei noch eine rechtlich passende Grundlage für jedes physische Produkt.
Originalquellen
- Prusa Research: PrusaSlicer 3.0 Preview
- Prusa Research: XL+, CORE One L+ und CORE One+ Gen 2
- Prusa Research: INDX-Versand und vollständige Drucker
- Bambu Lab: IoT-Sicherheit und Bug Bounty
- Universität Heidelberg: kreislauffähiges Photopolymer
- Advanced Materials: Metastable Polymers for Circular 3D Printing
- MIT News: Bifur-circuits
- MIT HCI Engineering Group: Projektseite
- Europäische Kommission: PPWR gilt ab 12. August 2026
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2025/40
- ZSVR: Änderungen von PPWR und VerpackDG
- ZSVR: Systembeteiligung bei Eigenmarken und Importen
- CGTrader: Premium und Essentials im Vergleich
