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Revopoint POP 4, neue MakerWorld-Credits und die richtige Bauraumtemperatur

3D-Druck-News

Revopoint POP 4 im Vorverkauf, MakerWorld ändert KI-Credits und Creality erklärt Bauraumtemperatur

Nach mehreren großen Produktankündigungen fällt die aktuelle Nachrichtenlage im Consumer- und Prosumer-3D-Druck etwas ruhiger aus. Trotzdem gibt es einige Entwicklungen, die für Maker und technisch interessierte Anwender relevant sind.

Die wichtigsten Meldungen im Überblick

Revopoint POP 4

Der hybride 3D-Scanner ist nach der Kickstarter-Kampagne regulär vorbestellbar.

MakerWorld

MakerLab-Credits sollen bei bestimmten generativen Funktionen künftig früher abgerechnet werden.

Creality K2-Serie

Ein Leitfaden erklärt, wann aktive Bauraumheizung sinnvoll ist und wann sie Probleme verursachen kann.

Eclipse X9

Ein basaltfaserverstärktes PETG soll auch als 1,75-mm-Filament angeboten werden.

Revopoint POP 4: Hybrider 3D-Scanner jetzt regulär vorbestellbar

Revopoint hat die Kickstarter-Kampagne für den POP 4 abgeschlossen und den Scanner in den regulären Vorverkauf überführt. Im offiziellen Revopoint-Forum nennt der Hersteller aktuell einen Vorbestellrabatt von zehn Prozent. Mit dem zusätzlichen Aktionscode MEDIAP4FO sollen weitere zwei Prozent Rabatt möglich sein.

Der POP 4 wurde bereits Anfang Mai vorgestellt. Neu ist daher nicht der Scanner selbst, sondern der Übergang von der Crowdfunding-Phase in den regulären Verkauf über den Hersteller-Shop.

Revopoint POP 4 3D-Scanner
Bild: Revopoint POP 4, Beitragsbild der offiziellen Revopoint-Ankündigung.

Der POP 4 kombiniert mehrere Scanverfahren und soll dadurch für unterschiedliche Objektgrößen und Oberflächen geeignet sein. Revopoint nennt fünf Scanmodi: Full-Field HD, VCSEL Rapid, Hybrid HD, 30 gekreuzte blaue Laserlinien und Single-Line Deep Hole Scan.

Die Kombination aus Infrarot- und Blaulaser-Verfahren ist interessant, weil unterschiedliche Scanaufgaben jeweils andere Anforderungen stellen. Größere Objekte oder Körper lassen sich häufig schneller mit flächigen Verfahren erfassen. Feine Strukturen, Vertiefungen und schwer zugängliche Bereiche profitieren dagegen von gezielteren Laserlinien.

Warum der POP 4 für Maker interessant sein kann

  • Digitalisierung vorhandener Bauteile
  • Ersatzteile für nicht mehr lieferbare Komponenten
  • Reverse Engineering und Scan-to-CAD-Workflows
  • Anpassung bestehender Geometrien
  • Modellbau, Cosplay und Archivierung physischer Objekte

Gerade bei organischen Formen oder komplex gekrümmten Oberflächen kann ein Scanner viel Zeit sparen. Ein vollständiges CAD-Modell entsteht daraus allerdings nicht automatisch. Für technische Ersatzteile bleibt häufig eine anschließende Nachkonstruktion in CAD sinnvoll.

Der Scan ist häufig erst der Anfang

Bei der Bewertung eines 3D-Scanners sollte man sich nicht ausschließlich auf nominelle Genauigkeitswerte konzentrieren. In der Praxis zählen auch Tracking-Stabilität, Oberflächenerkennung, Kalibrierung, Softwarequalität, Mesh-Nachbearbeitung und die Überführung in ein parametrisches CAD-Modell.

Der POP 4 ist deshalb vor allem für Anwender interessant, die regelmäßig unterschiedliche Scanaufgaben bearbeiten möchten und dafür nicht mehrere spezialisierte Geräte einsetzen wollen.

MakerWorld passt die Credit-Abrechnung für MakerLab an

Auch bei MakerWorld gibt es eine relevante Änderung. Die Plattform hat eine Anpassung der Credit-Regeln für MakerLab angekündigt. Die neue Abrechnung soll voraussichtlich Ende Juni 2026 eingeführt werden. Ein exaktes Datum steht noch nicht fest.

MakerLab bündelt verschiedene Werkzeuge zur vereinfachten Erstellung von 3D-Modellen. Dazu gehören klassische Generatoren, aber auch KI-gestützte Funktionen.

Nach der aktuellen Vorschau sollen bestimmte generative Funktionen künftig nicht mehr ausschließlich beim Export eines Ergebnisses Credits verbrauchen. Bei einigen Werkzeugen kann die Abrechnung bereits bei der Generierung erfolgen.

Das klingt zunächst nach einer kleinen Änderung. Für die praktische Nutzung ist es aber relevant. Wer mehrere Varianten ausprobieren möchte, konnte bislang bei bestimmten Workflows zunächst experimentieren und erst für das tatsächlich genutzte Ergebnis Credits einsetzen. Wenn bereits jeder Generierungsvorgang abgerechnet wird, gewinnen Fehlversuche und unbrauchbare Varianten stärker an Bedeutung.

Offene Punkte bei den MakerLab-Credits

  • welche Werkzeuge konkret betroffen sind
  • wie hoch der jeweilige Credit-Verbrauch ausfällt
  • ob kostenlose Kontingente verändert werden
  • wie Fehlversuche behandelt werden
  • ob sich die Regeln bis zum endgültigen Rollout noch ändern

Die Entwicklung zeigt einen größeren Trend im Consumer-3D-Druck: Hersteller verkaufen längst nicht mehr nur Drucker. Modellplattformen, Cloud-Dienste, KI-Generatoren, Apps, Slicer-Integration, Materialprofile und kostenpflichtige Zusatzfunktionen werden zunehmend Teil des Geschäftsmodells.

Creality erklärt die richtige Bauraumtemperatur für K2 Pro und K2 Plus

Creality hat einen technisch brauchbaren Leitfaden zur Bauraumtemperatur des K2 Pro und K2 Plus veröffentlicht. Beide Drucker verfügen über eine aktive Bauraumheizung. Die Temperatur lässt sich laut Creality bis maximal 60 °C einstellen. Das ist vor allem bei technischen Materialien interessant.

Creality K2 Pro und K2 Plus Bauraumtemperatur Leitfaden
Bild: Creality K2-Serie, Beitragsbild im offiziellen Creality-Leitfaden zur Bauraumtemperatur.

Beim FDM-Druck kühlt das Material nach dem Austritt aus der Düse ab. Dabei zieht sich der Kunststoff zusammen. Wenn einzelne Bereiche eines Bauteils unterschiedlich schnell abkühlen, entstehen Spannungen. Typische Folgen sind Warping, Risse, Delamination, schlechtere Layerhaftung, Maßabweichungen und Verformungen.

Eine beheizte Druckkammer reduziert die Temperaturunterschiede innerhalb des Bauteils. Dadurch kühlt das Material gleichmäßiger und langsamer ab. Creality ordnet die aktive Bauraumheizung unter anderem ABS, ASA, PC, PA-CF, PAHT-CF, PET-CF, PPA-CF, PPS und PPS-CF zu.

Crealitys Regelungslogik bei K2 Pro und K2 Plus

  • 0 °C: Bauraumlüfter und Heizung sind deaktiviert.
  • Über 0 bis 40 °C: Der Lüfter regelt die Kühlung des Bauraums.
  • Über 40 bis 60 °C: Die aktive Heizung regelt die Temperatur.

Besonders wichtig ist der umgekehrte Hinweis: Eine möglichst hohe Bauraumtemperatur ist nicht bei jedem Material sinnvoll. Für PLA, PETG, TPU und BVOH empfiehlt Creality lediglich etwa 30 bis 35 °C. Bei zu viel Wärme können diese Filamente bereits im Zuführungsbereich erweichen. Das kann zu Extrusionsproblemen oder Verstopfungen führen.

Mehr Wärme ist nicht automatisch besser

Der Creality-Leitfaden greift einen häufigen Irrtum auf. Eine beheizte Kammer ist kein universeller Qualitätsregler. Sie ist besonders dann sinnvoll, wenn das verwendete Material davon profitiert.

Bei technischen Filamenten reduziert sie Spannungen und verbessert häufig die Layerhaftung. Bei PLA oder PETG kann zu viel Wärme dagegen neue Probleme verursachen. Prosumer sollten die Bauraumtemperatur deshalb immer zusammen mit Düsentemperatur, Druckbetttemperatur, Lüftersteuerung, Druckgeschwindigkeit, Materialtrocknung, Bauteilgeometrie, Wandstärken und Druckorientierung betrachten.

Material-Randnotiz: Basaltfaserverstärktes PETG für raue Einsatzbedingungen

Ein neues Verbundmaterial zeigt, dass nicht nur Kohle- und Glasfasern für den 3D-Druck interessant sind. Voltage Materials hat mit Eclipse X9 ein basaltfaserverstärktes PETG vorgestellt. Als Basis dient recyceltes PETG, das mit zerkleinerten Basaltfasern verstärkt wird.

Das Material wurde ursprünglich für maritime und küstennahe Anwendungen entwickelt. Angeboten werden sollen sowohl Pellets für industrielle Großformatdrucker als auch Filamente mit 1,75 und 2,85 mm Durchmesser.

Voltage Materials Eclipse X9 basaltfaserverstärktes PETG
Bild: Eclipse X9 basaltfaserverstärktes PETG, Beitragsbild im Bericht von VoxelMatters.

Basalt ist vulkanischen Ursprungs und kann als Verstärkungsfaser eingesetzt werden. VoxelMatters nennt unter anderem eine Zugfestigkeit von 108,2 MPa, eine Biegefestigkeit von 112,98 MPa, ein Biegemodul von 12 GPa, eine Wasseraufnahme unter 0,4 Prozent und mehr als 90 Prozent verbleibende Festigkeit nach 24 bis 26 Monaten Salzwasserlagerung.

Diese Werte beziehen sich auf Prüfungen und Herstellerangaben im Umfeld maritimer Großformatanwendungen. Sie lassen sich nicht automatisch auf jedes Desktop-Druckprofil übertragen.

Interessant, aber noch kein direkter Kauftipp

  • Offen sind Drucktemperatur, Trocknung und erforderliche Bauraumtemperatur.
  • Unklar sind Abrasivität, notwendige Düsenhärte und Warping-Verhalten.
  • Preis und Verfügbarkeit in Europa müssen sich erst zeigen.
  • Für Outdoor- und maritime Funktionsbauteile könnte das Material dennoch spannend werden.

Einordnung

Die interessanteste unmittelbare Meldung ist der Vorverkaufsstart des Revopoint POP 4. Der hybride Scanner verbindet mehrere Scanverfahren innerhalb eines Geräts und könnte dadurch für Maker interessant werden, die regelmäßig zwischen Reverse Engineering, Modellbau und kreativen Anwendungen wechseln.

Die MakerWorld-Ankündigung zeigt dagegen, wie wichtig Plattformen im Consumer-3D-Druck inzwischen geworden sind. KI-gestützte Werkzeuge vereinfachen den Einstieg, entwickeln sich aber zugleich zu einem eigenen Geschäftsmodell.

Creality liefert mit dem Leitfaden zur Bauraumtemperatur keinen spektakulären Produkt-Launch, aber technisch sinnvolle Informationen. Gerade bei ASA, ABS und faserverstärkten Materialien ist eine korrekt eingesetzte Bauraumheizung wichtiger als der nächste theoretische Geschwindigkeitsrekord.

Fazit

Die aktuellen Meldungen zeigen erneut: Fortschritt im 3D-Druck besteht nicht nur aus neuen Druckern. Ebenso wichtig werden Scanner, Softwareplattformen, bessere Materialprofile und spezialisierte Werkstoffe.

Der Revopoint POP 4 kann für Maker interessant werden, die regelmäßig reale Objekte digitalisieren möchten. MakerWorlds Credit-Änderungen zeigen, dass KI-Funktionen auf Modellplattformen stärker monetarisiert werden. Creality erinnert daran, dass korrekte Temperaturführung bei technischen Materialien entscheidend bleibt. Und Eclipse X9 zeigt, dass auch neue Faserverbund-Filamente im Desktop-Bereich spannender werden könnten.

Quellen