3D-Druck-News
Sovol M1D mit sieben Werkzeugköpfen: Kommt der nächste Schritt beim Multimaterialdruck?
Der Mehrfarben- und Mehrmaterialdruck entwickelt sich ungewöhnlich schnell. Sovol kombiniert beim M1D ein IDEX-System mit Werkzeugwechsel, Prusa erweitert ColorMix per Web-App und Formlabs kündigt eine neue Produktvorstellung an.
Die wichtigsten Meldungen im Überblick
IDEX plus Toolchanger: Ein fester Druckkopf und ein wechselnder Extruder sollen bis zu sieben Farben oder Materialien ermöglichen.
Eine kostenlose Shading-App erzeugt künstliche Licht- und Schatteneffekte für farbige FDM-Drucke.
Formlabs kündigt für den 9. Juni 2026 um 15:00 Uhr MESZ eine neue Produktvorstellung an.
Seitliche Bohrungen in FDM-Teilen lassen sich oft besser durch Konstruktion als durch Slicer-Tricks lösen.
Sovol M1D kombiniert IDEX und Toolchanger
Sovol hat erste Details zum neuen M1D veröffentlicht. Das Gerät kombiniert zwei Konzepte, die bislang meist getrennt voneinander eingesetzt werden: einen unabhängigen Doppelextruder und einen Werkzeugwechsler.
IDEX steht für Independent Dual Extruder. Bei einem solchen System können sich zwei Druckköpfe unabhängig voneinander auf der X-Achse bewegen. Dadurch lassen sich unterschiedliche Materialien verarbeiten oder zwei identische Bauteile parallel drucken.
Sovol erweitert dieses Prinzip beim M1D um das sogenannte DualX-System. Ein Druckkopf bleibt fest am Gerät montiert. Der zweite Extruder kann dagegen zwischen bis zu sechs zusätzlichen Werkzeugköpfen wechseln. Insgesamt stehen damit theoretisch bis zu sieben Farben oder Materialien innerhalb eines Druckauftrags zur Verfügung.
Jeder Werkzeugkopf besitzt eine eigene Heizung. Die Düsen können daher vor ihrem Einsatz bereits auf Temperatur gebracht werden. Das soll Wartezeiten reduzieren und schnellere Materialwechsel ermöglichen.
Weniger Filamentabfall als bei klassischen Multicolor-Systemen?
Klassische Filamentwechsler wie AMS, CFS oder MMU nutzen in der Regel eine gemeinsame Düse. Vor jedem Farbwechsel muss das bisherige Material zurückgezogen und das neue Filament geladen werden. Anschließend wird die Düse gespült, bis keine störenden Farbreste mehr austreten.
Dieser Vorgang kostet Zeit und erzeugt Abfall. Bei Modellen mit vielen Farbwechseln kann das ausgespülte Filament einen erheblichen Anteil des gesamten Materialverbrauchs ausmachen.
Ein Toolchanger setzt an einer anderen Stelle an: Die Materialien bleiben jeweils in einem eigenen Werkzeugkopf. Statt Filament durch eine gemeinsame Düse zu wechseln, tauscht der Drucker den vollständigen Toolhead aus. Das kann den Purge-Bedarf deutlich reduzieren.
Denkbare Anwendungen
- Modellmaterial und lösliches Supportmaterial
- harte und flexible Filamente innerhalb eines Bauteils
- unterschiedliche Düsendurchmesser für Außenwände und Infill
- separate Düsen für abrasive Filamente
- paralleler Druck identischer Bauteile
- Spiegelmodus für symmetrische Komponenten
Gerade die Kombination verschiedener Düsendurchmesser könnte den Druckprozess effizienter machen. Eine feinere Düse übernimmt sichtbare Oberflächen und Details, während eine größere Düse den Infill schneller aufbaut.
Ambitioniertes Konzept mit offenen Fragen
Technisch ist das System spannend. Gleichzeitig steigt mit jedem zusätzlichen Werkzeugkopf die Komplexität. Entscheidend wird sein, wie zuverlässig Sovol mehrere Düsen kalibriert und verwaltet. Bereits kleine Abweichungen beim XY-Offset oder bei der Z-Höhe können sichtbare Fehler verursachen.
Offen sind unter anderem die Zuverlässigkeit der Parkpositionen, die Reinigung der Düsen, die automatische Offset-Kalibrierung, die Materialkompatibilität, die Slicer-Integration, Wartung, Ersatzteilversorgung und realistische Druckgeschwindigkeiten im Multimaterialbetrieb.
Auch der geplante Kickstarter-Start rechtfertigt Zurückhaltung. Sovol nennt einen regulären Preis von 1.799 US-Dollar. Der angekündigte Super-Early-Bird-Preis liegt bei 1.499 US-Dollar. Über eine kostenpflichtige VIP-Reservierung soll ein Preis von 1.399 US-Dollar möglich sein.
Prusa erweitert ColorMix um eine kostenlose Shading-App
Auch Prusa arbeitet an neuen Möglichkeiten für farbige FDM-Drucke. Die bereits vorgestellte ColorMix-Technologie wird um eine kostenlose browserbasierte Shading-App erweitert.
ColorMix basiert auf einer optischen Farbmischung. Unterschiedliche Filamentfarben werden in dünnen Schichten so kombiniert, dass aus normalem Betrachtungsabstand ein zusätzlicher Farbeindruck entsteht. Die Farben werden nicht physisch miteinander vermischt, sondern nutzen die Wahrnehmung des menschlichen Auges.
Der Ablauf ist vergleichsweise einfach: STL-Datei in die Web-App laden, gewünschte Filamentfarben auswählen, eine virtuelle Lichtquelle positionieren, die Schattierung berechnen lassen und das Ergebnis an EasyPrint oder PrusaSlicer übertragen.
Das ersetzt keine klassische Bemalung. Trotzdem eröffnet die Methode interessante Möglichkeiten für Figuren, Logos, Reliefs oder dekorative Modelle. Das Ergebnis hängt stark von Pigmentierung, Lichtdurchlässigkeit, Filamentfarbe, Schichthöhe, Druckrichtung, Betrachtungsabstand und Umgebungslicht ab.
Formlabs kündigt neue Produktvorstellung für den 9. Juni an
Formlabs hat für den 9. Juni 2026 um 15:00 Uhr MESZ eine Produktvorstellung angekündigt. Der Hersteller bewirbt das Event mit dem Satz „Something BIG is coming“.
Konkrete technische Angaben liegen bislang nicht vor. Der Teaser zeigt lediglich eine Holzkiste mit entsprechender Beschriftung. Daraus lässt sich nicht seriös ableiten, ob Formlabs einen neuen Drucker, ein größeres System, Zubehör oder ein anderes Produkt vorstellen wird.
Für klassische Hobbyanwender ist Formlabs aufgrund der höheren Preise nur eingeschränkt relevant. Für Prosumer, kleinere Unternehmen und professionelle Anwender bleibt der Hersteller dennoch interessant, weil Formlabs traditionell auf abgestimmte Workflows aus Hardware, Resin, Software und Nachbearbeitung setzt.
Praxiswissen: Seitliche Bohrungen stabiler konstruieren
Ein neuer Beitrag von Slant3D greift ein typisches Problem funktionaler FDM-Bauteile auf: seitliche Bohrungen. Wird ein Loch parallel zum Druckbett modelliert, muss der obere Bereich der Rundung schrittweise ohne ausreichende Unterstützung aufgebaut werden. Dadurch entstehen Überhänge. Das Loch kann absacken, unrund werden oder Maßabweichungen aufweisen.
Zusätzlich wirkt sich die Schichtrichtung auf die mechanische Stabilität aus. Unter Belastung können Risse entlang der Layerlinien entstehen. Der einfachste Ansatz besteht oft darin, die Orientierung des Bauteils zu verändern. Wird ein Teil so gedreht, dass die Layer günstiger um die Bohrung verlaufen, verbessern sich häufig Maßhaltigkeit und Stabilität.
Das ist jedoch nicht immer praktikabel. Alternativ lässt sich die Geometrie der Bohrung anpassen. Statt eines vollständig runden Lochs kann der obere Bereich abgeflacht, tropfenförmig oder rautenförmig ausgeführt werden. Bei funktionalen Teilen kann es außerdem sinnvoll sein, das Loch bewusst etwas kleiner zu konstruieren und nach dem Druck aufzubohren oder aufzureiben.
Wichtige Fragen bei funktionalen Bohrungen
- In welche Richtung verlaufen die Layer?
- Wo entstehen kritische Überhänge?
- Welche Flächen müssen maßhaltig sein?
- Wo wirken mechanische Kräfte?
- Ist ein perfekter Kreis überhaupt zwingend notwendig?
- Lassen sich Nachbearbeitungsschritte gezielt einplanen?
Einordnung
Der Sovol M1D ist die spannendste neue Meldung. Die Kombination aus IDEX und Toolchanger zeigt, wie stark der Markt nach besseren Lösungen für den Mehrfarben- und Mehrmaterialdruck sucht. Klassische Einzeldüsensysteme bleiben günstig und kompakt, verursachen aber weiterhin Zeitverlust und Filamentabfall.
Prusas ColorMix-Shading-App verfolgt einen anderen Ansatz. Sie zeigt, dass sich bestehende Hardware durch intelligentere Software besser nutzen lässt. Nicht jede Verbesserung benötigt zusätzliche Motoren, Düsen oder Filamentkanäle.
Der Formlabs-Teaser bleibt vorerst ein Ausblick. Spannend wird er erst nach der vollständigen Vorstellung am 9. Juni 2026. Der Slant3D-Beitrag erinnert schließlich daran, dass gute Konstruktion im 3D-Druck oft mehr bewirkt als reine Optimierung der Druckparameter.
Kurzfazit
Der Sovol M1D zeigt, wohin sich Multimaterialdruck entwickeln könnte: weg von reinem Filamentwechsel durch eine gemeinsame Düse und hin zu Systemen mit getrennten Werkzeugköpfen. Ob das in dieser Preisklasse zuverlässig gelingt, müssen unabhängige Tests zeigen.
Prusa setzt parallel auf Software und optische Effekte, Formlabs bereitet eine neue Vorstellung vor und Slant3D liefert nützliches Konstruktionswissen. Zusammen zeigen die Meldungen: Fortschritt im 3D-Druck entsteht gerade an vielen Stellen gleichzeitig.